Die Blätter färben sich jeden Tag mehr. Der Wind kühlt. Die Nacht wird immer länger. Der Morgennebel mit Raureif wird sichtbar. Wo auch immer man guckt, das ist wunderschön, die wegen sind mit knackigem Laub übersät, das fröhliches Bellen  der Hunde ist zu hören. Das sanfte Grün ist zum Wut-Rot übergegangen. Der Herbst ist dem Sommer gefolgt und im Gegenteil zur Annahme aus dem ersten Aufruf, gehen wir nach wie vor Pilze sammeln! Nach fast 5 Monaten Demonstrationen, Besetzungen, Wanderungen ,Räumungen, Wiederbesetzungen, Auseinandersetzungen, Gerichtsverfahren, Picknick, Flyerverteilen, Mahnwachen, spontanen Partys, Sabotage von Mauer… der Wald „Bois Lejuc“ ist freier denn je!

Seit der Fall der Mauer „Bure de Merlin“ am 14. August, dutzende von Eulen haben ihr Nest im wunderschönen Wald wieder eingerichtet. Dies mal bleibt es ruhig, keine Eilmeldungen, keine Fülle an Informationen und dringenden Soliaufrufe. Die Neubesetzung des Waldes findet in aller Ruhe im sanften Herbst statt: Die Freude, Baumplattformen auf eine Buhe hoch zu ziehen, Klettern zu lernen, den Wald mit seinen wechselten Farben neu zu entdecken, ohne Druck seitens der Polizei. Sich Zeit für Waldspaziergänge zu nehmen. Das ist der Wechsel der Jahreszeiten. Vom Sommer des Ausnahmezustandes zum entschlossenem Winter über den ruhigen Herbst.

Die Barrikaden aus Papier fallen früher oder später

Wir dürfen die Atom-Lobbyisten nicht unterschätzen. Die sind nicht in ihren Manager-Anzüge tatenlos geblieben. Sie haben gegen den am 1. August durch das Gericht verhängten Baustopp Berufung eingelegt. Über die Berufung dürfte im November oder im Dezember verhandelt werden. Die ANDRA hat eine Rodungsbescheinigung beantragt. Ein Gerichtsvollzieher kam Anfang November in Begleitung zweier Schläger-Securitys in den Wald. Das Sicherheitspersonal, das so häufig und unberechenbar zuschlägt. Und der Polizeihubschrauber kommt mindestens ein Mal die Woche, die Polizei ist nie sehr weit.

Die Aktivist*innen haben auch mit der Repression zu kämpfen:  Einige künstlerisch veranlagte Aktivisten wurden für ein Graffito auf eine sich im Besitz der ANDRA befindliche  Ruine zu einer zweimonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Eine andere Person erhielt einen 2-jährigen Aufenthaltsverbot für das Département Meuse (Maas). Polizeiliche Vorladungen trudeln nach der Zerstörung der Mauer der Andra haufenweise ein. Eine neue Präfektin (regionale Behörden- und Verwaltungsleitung) wurde ernannt und das Endlagervorhaben CIGEO hat einen neuen Direktor. Die Andra hat zudem Experten für öffentliches Recht eingestellt, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Gegenseite sich neu sortiert und die nächste Räumung vorbereitet. Wir müssen bereit sein.

Mit diesem Aufruf möchten wir nicht nur ein Update an unser Freund*innen und Unterstützer*innen geben, sondern dich in erster Linie einladen hierher zu kommen und/oder sonst wo Solidaritätsaktionen zu organisieren. Es werden neue Bäume gepflanzt und  Infrastruktur eingerichtet: Ob Tipi, eine Gemeinschaftshütte und -Küche, Baumhäuser oder die Kompostklos. Es wächst wie Pilze.

Dutzende Menschen haben sich im Wald niedergelassen und wir hoffen auf mehr. Wohl wissend, dass die Barrikaden aus Papier nicht lange halten werden. Der Wald ist nur deshalb vor Zerstörung geschützt, weil das Gericht ein Baustopp verhängt hat. Wir machen uns keine Illusion, früher oder später wird die Bürokratie für die Gerichte in Ordnung sein und die Bauarbeiten werden wieder beginnen. Es geht um wenige Wochen oder vielleicht Monaten. Es liegt an uns, bereit zu sein. Es liegt an uns, zu blockieren und den Wald zu verteidigen.

Sollten die Bauarbeiten wieder beginnen, rufen wir dazu auf, am darauf folgenden Samstag in Massen in den Wald zu kommen!
Jeden Sonntag gibt es um 14 Uhr warme Getränke, lecker Essen, ein warmes Feuer und Schnupperklettern im Wald!

Weil die Gemeinschaftshütte mit großzügigem Schlafraum immer noch im Bau ist, empfehlen wir warme Kleider und persönliches Schlafmaterial mitzunehmen. Du kannst uns via sauvonslaforet@protonmail.com  oder +33(0)7 5387 8161 erreichen. Um uns finanziell und mit Material zu Unterstützen, freuen wir uns über Spenden in Form von Essen, Geld, Werkzeuge, Paletten und Holz.