Monatliches Archiv: Januar 2017

Spannung auf der Atomklo-Baustelle und im Gerichtssaal

Kampf um den Bois Lejuc am 30.01.2017

* Die ANDRA hat erneut versucht sich Zugang zum Wald zu verschaffen.

* Vor Gericht werden Klagen von Einwohner*innen und Vereine verhandelt.

* Für die Woche 14. – 18.2. rufen die Waldbesetzer*innen zu einer Aktionswoche auf – Dezentrale Aktionen in Solidarität mit dem Widerstand sind willkommen.

Ereignisvolle Woche für die Gegner*innen von Cigéo, dem Atommüll-Endlagerprojekt in Bure. Die ANDRA (Nationalagentur für die Entsorgung von radioaktivem Müll) hat einen erneuten Versuch gestartet, den Wald mit ihren Baumaschinen zu betreten. Die Waldbesetzer*innen im Bois lejuc haben sich – wie schon eine Woche zuvor – erfolgreich dagegen gewehrt. (mehr …)

Die Spannung steigt in Bure!

Am 23. Januar hat die ANDRA (Nationalagentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll) einen Versuch gestartet, den seit 6 Monaten durch Projektgegner*innen besetzten Wald „Bois Lejuc“ in ihrem Besitz zurückzunehmen. Mehrere Barrikaden wurden Mittels Schaufellader und Bagger der Firma Chardot zerstört. Einen Bagger steuerte Emmanuel Hance, der Chefplaner der ANDRA für die Außenaktivitäten, persönlich

Einige Aktivist*innen stiegen in ihre Baumhäuser in ca. 20 Meter Höhe, andere blockierten die Bagger. Der durch die  ANDRA beauftragte Sicherheitsdienst (Firma EPR) versuchte die Besetzer*innen, die sich den Maschinen in den Weg stellten mit Gewalt weg zu drängen. Die ANDRA scheiterte schließlich am entschlossenen Widerstand der Aktivist*innen.Eine Aktivistin wurde durch den Sicherheitsdienst verletzt und hat sich für eine Strafanzeige entschieden.

Die Situation wird sich in den kommenden Tagen möglicherweise weiter zuspitzen!

Am 25. Januar findet vor dem Gericht in Bar-le-Duc die Verhandlung über die Räumungsklage der ANDRA gegen die Besetzer*innen statt. Am 31. Januar wird die Klage von Einwohner*innen von Mandres-en-Barrois gegen den durch den Gemeinderat in einer Sitzung im Frühtau im Sommer 2015 beschlossenen Tausch des Waldes der Gemeinde mit der ANDRA verhandelt – dadurch wurde sie Eigentümerin des Bois Lejuc, Voraussetzung für die Verwirklichung von Cigéo, dem Atommülllagerprojekt. Eine juristische Auseinandersetzung um die Erteilung der Rodungsgenehmigung durch die Umweltbehörde steht auch noch an. Die ANDRA scheint jedoch gewillt zu sein, sofort Tatsachen zu schaffen.

Wir freuen uns über tatkräftige Unterstützung. Kommt nach Bure!

Beteiligt euch an die Aktionswoche gegen Cigéo vom 14. bis zum 18. Februar. Eine Großdemonstration wird am 18. Februar stattfinden.

Wir freuen uns auch über dezentrale Soliaktionen!

Französisches Fernsehen zum Vorstoß der ANDRA im Wald am 23.1.

Update 25.1. zur Klage der ANDRA gegen die Waldbesetzer*innen: Die ANDRA hat im Gerichtstermin gegen die Besetzer*innen um Aufschub zur Vorbereitung ihres Vorbringens im Verfahren gebeten. Neuer Termin ist der 8. Februar 2017. Zwei Wochen mehr um sich auf eine Räumung vorzubereiten, die Waldbesetzer*innen freuen sich. Am 31.1. gibt es einen weiteren Gerichtstermin. Es geht dann um die Klage gegen den Beschluss vom Gemeinderat vom Sommer 2017 womit der Bois Lejuc von der Gemeinde an die ANDRA übergeben wurde (Tausch vom Waldstücken). Es werden Verfahrensfehler angeprangert (keine öffentliche Sitzung, keine ordnungsgemäße Veröffentlichung der Entscheidung des Gemeinderates, etc.)

 

Aktivist*innen gegen die Bagger der ANDRA am 23.1.17

Aktivist*innen gegen die Bagger der ANDRA am 23.1.17

Aktivist*innen gegen die Bagger der ANDRA am 23.1.17

Am 25. Januar, Unterstützung für Sven vor Gericht

Briefe für Sven

Wir wohnen alle im bois Lejuc!

Der Wald „Bois Lejuc“ ist seit einigen Monaten aus Protest gegen das Vorhaben der n Agentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll (ANDRA), den Wald für vorarbeiten für ein künftiges Atomklo (CIGEO-Projekt) zu roden, besetzt. Die ANDRA hat bereits 8 Hektar Wald gerodet und eine 1,2 Kilometer lange Mauer errichtet. Ein vorläufiger Baustopp wurde im Wald und vor Gericht erkämpft.

Das Gericht von Bar-Le-Duc verhängte am 1. August 2016 einen vorläufigen Baustopp und ordnete eine Wiederaufforstung und die Wiederinstandsetzung des Waldes .

Am 14. August rissen ca. 400 Aktivist*innen die Mauer nieder, nachdem Polizei und Sicherheitsdienst am vorigen Tag das Weite gesucht hatten.

Die Ratten verließen das Schiff…

Der Wald ist gezeichnet, das Leben hat aber wieder Einzug genommen, die Maschinen sind verschwunden: Tiere und Aktivist*innen haben den Wald zurück erobert.

Häuser wuschen zuerst in den Baumwipfeln und später am Boden im südlichen Teil des Bois Lejuc. Mit Sven, einem offiziellen Bewohner des Waldes, haben wir eine Infrastruktur aufgebaut, um widerständigen Menschen den gesamten Herbst über im Wald empfangen zu können Die Besetzung ist ein Zeichen der Entschlossenheit des Widerstandes gegen das Atomklo. Wir wollen den Wald retten und die Bauarbeiten der ANDRA behindern!

Sven steht am 25. Januar um 9 Uhr vor Gericht in Bar-Le-Duc. Die ANDRA hat eine Räumungsklage eingereicht.

Wir rufen zur solidarischen Unterstützung auf. Kommt zum Prozess! Oder schreibt Sven Solibriefe!

Die Adresse lautet: Sven Lindstrom,  Haut Chemin, 55290 Mandres-en-Barrois Email: sven.lind@riseup.net

Update 25.1. zur Klage der ANDRA gegen die Waldbesetzer*innen: Die ANDRA hat im Gerichtstermin gegen die Besetzer*innen um Aufschub zur Vorbereitung ihres Vorbringens im Verfahren gebeten. Neuer Termin ist der 8. Februar 2017. Zwei Wochen mehr um sich auf eine Räumung vorzubereiten, die Waldbesetzer*innen freuen sich. Am 31.1. gibt es einen weiteren Gerichtstermin. Es geht dann um die Klage gegen den Beschluss vom Gemeinderat vom Sommer 2017 womit der Bois Lejuc von der Gemeinde an die ANDRA übergeben wurde (Tausch vom Waldstücken). Es werden Verfahrensfehler angeprangert (keine öffentliche Sitzung, keine ordnungsgemäße Veröffentlichung der Entscheidung des Gemeinderates, etc.)

Solibriefe für Sven und den Widerstand!

Skillsharing und mehr in Bure

Der Wald „bois Lejuc“  ist räumungsbedroht. Zerstörung droht ab Ende Januar 2017. Die Eulen vom besetzten Wald wollen es aber nicht einfach hinnehmen! Wir laden alle wilde Vögel von hier und dort herzlich dazu ein, am Sonntag den 22.01 (Sonntags darauf auch!) in den Wald zu kommen. Wir wollen uns auf eine mögliche Räumung vorbereiten und Knowhow austauschen.

Wir tauschen uns aus, um selbstständiger zu werden und uns besser kennen zu lernen. Am Tag X sind wir dann bereit!

Programm :

  • Ab 9 Uhr : Erste Hilfe Workshop, Legal Team Workshop (Ermittlungsausschuss), Automedia (selbst gemachte Berichtserstattung), Logistik und Ausrüstung
  • 12.30 Uhr : VolkXküche
  • Ab 14 Uhr : Gemeinsame Erkundung des Waldes (Warme Kleidungen einpacken!)
  • Ende Nachmittag : Feedback-Runde, Gespräche und Glühwein in einer beheizten Waldhütte.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Widerstandshaus BZL.

Meldet euch bei sauvonslaforet@riseup.net oder telefonisch 0033 3 29 45 41 77  – das hilft uns bei der Planung.

Die Eulen von Bure

!WICHTIG!

Die Waldbesetzung ist seit Ende Januar 2017 räumungsbedroht

Eine Gerichtsverhandlung fand am 8.2.2017 statt. Dort ging es um ein Räumungstitel gegen die Waldbesetzer*innen für die ANDRA. Sollte der ANDRA ein Räumungstitel zugesprochen werden und die Umweltbehörde eine Rodungsgenehmigung erteilen (diese Entscheidung wird ebenfalls bald bekannt gegeben), ist mit einer Räumung der Waldbesetzung durch die Polizei zu rechnen. Das Urteil wird am 22.02.2017 gesprochen.

Solidaritätsaktionen sind willkommen! Du kannst jetzt schon in den Wald kommen und die Verteidigung des Waldes mit vorbereiten. Am Tag X, dem Tag der Räumung, werden wir auch Unterstützung benötigen. Und wenn du es nicht nach Bure schaffst: Wir freuen uns über dezentrale Aktionen.

Vor Ort gibt es Übernachtungsmöglichkeiten in den Boden- und Baumhäusern im Wald. Es gibt auch diverse Schlaflager in Häusern in der Umgebung.

Aktuelle Infos gibt es auf de-vmc.camp, Twitter (ZIRAdiés), Facebook „Bure à cuire“. Haltet euch bereit, es kann schnell gehen und wir brauchen alle Menschen!

Am 18.2.17 wird es eine Demonstration geben. Wir geben nicht auf.

Schreibt euch die Nummer der Legal Team (Ermittlungsausschuss) auf!  0033 7 51 555 898 (neue Nummer, Stand Februar 2017). Erreichbar ist der Ermittlungsausschusss auch per Mail: arr (at) riseup (point) net.

Aktuelle Kurzinfos zur Waldbesetzung im Bois Lejuc

Sven, ein offizieller Bewohner des Bois Lejuc in Mandres-en-Barrois bei Bure hat Post vom Gerichtsvollzieher erhalten. Die Nationale Agentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll (ANDRA) bereitet die Wiederaufnahme der Bauarbeiten für das Atomklo. Die Waldbesetzung steht diesem Vorhaben in dem Weg. Darum geht sie gegen Sven juristisch vor. Eine Gerichtsverhandlung findet am 11. Januar 2017 vor dem Gericht in Bar-Le-Duc statt. Die ANDRA beantragt ein Räumungstitel  gegen Sven und weitere Bewohner*innen des Waldes.  Ob am 11.01. tatsächlich eine Räumung verfügt wird, ist nicht ganz klar. Der Anwalt, ist an dem Tag verhindert und will das Gericht dazu bewegen, den Termin zu verlegen ( Update vom 11.1. : wurde auf die Woche vom 16.1. verlegt). Diverse Antiatom-Initiativen aus der Region rufen zur Solidarität mit Sven und der Waldbesetzung auf, Sven freut sich über Post an seine Adresse im besetzten Wald ( Sven Linstrom, Le haut chemin, 55290 Mandres-en-Barrois ). Hierfür haben Antiatom-Gruppen einen Solibrief formuliert. Sven freut sich aber auch auf eigenständig formulierte Briefe auf Englisch.

Eine weitere Entwicklung spricht für eine Räumung der Waldbesetzung durch die Polizei und zeitnahe Wiederaufnahme der Bauarbeiten im Boi Lejuc: Die Präfektur will den Schwarzbau, der durch gerichtliche einstweilige Verfügung im Sommer gestoppt wurde, legalisieren, indem sie eine Rodungsgenehmigung – ohne vorige Umwetlverträglichkeitsprüfung – erteilt. Die Unterlagen zu diesem Vorhaben legen bis zum 17. Januar bei der Behörde aus (Siehe hier )  und Bürger*innen dürfen dazu Stellung nehmen und an ddt-se-foret@meuse.gouv.fr schreiben. Diese Scheindemokratie dürfte jedoch wenig bringen.

Es heißt aber, dass mit der Erteilung einer Rodungsgenehmigung nach dem 17. Januar zu rechnen ist (es wird mit einem Termin um den 20.1. gerechnet) und eine Räumung der Waldbesetzung ansteht. Darum freuen sich die Aktivist*innen über Unterstützung vor Ort. Ob beim Bauen von Boden- und Baumhäuser bis zum Räumungstermin oder bei der Verteidigung des Waldes am Tag X wenn die Andra und der Polizeistaat anrücken.

Achtet auch aktuelle Informationen und Ankündigungen!

Tag X: im Falle eines Angriffes auf den Wald wird für den darauf folgenden Samstag um 11.00h zum Widerstandshaus BZL zur Wiederbesetzung mobilisiert!

Zur Situation in Bure – eine Einschätzung

Quelle: Linksuntenindymedia

Im letzten halben Jahr sind mehrere Texte veröffentlicht worden, die sich mit dem wachsenden Widerstand gegen das französische Endlagerprojekt für hochradioaktive Abfälle (CIGEO) vom Konzern ANDRA1 in Bure befassen. Wir sind ein paar Leute aus der autonomen anti-Atom Bewegung in der BRD, die diesen Prozess seit einiger Zeit solidarisch begleiten. Nach unserem letzten Besuch im Dezember 2016 haben wir uns zusammengesetzt, um die vorhandenen Berichte und Aufrufe um ein paar persönliche Eindrücke und Einschätzungen zu ergänzen.

 

Sommes un movement de masse(s)2 – Eine „Massenbewegung“ (mit Vorschlaghammer)

 

Mit einem Mobilisierungspotential von ca. 500 Menschen während des letzten Sommers, sicherlich noch keine Massenbewegung, zeigen die wachsenden Auseinandersetzungen um CIGEO doch einiges an politischer Perspektive auf. Die seit Malville (1977) marginalisierte Anti-Atombewegung erlebt eine Renaissance und widerständige Menschen aus unterschiedlichen Spektren und gesellschaftlichen Schichten kommen zusammen. Möglich gemacht wird dieses durch die Anerkennung unserer Unterschiedlichkeiten, den Respekt für das Handeln anderer Strömungen in diesem Widerstand und der gemeinsame Vorstellung von einer Strategie der „Vielfalt der Taktiken“. Feldbesetzungen, Demos, Kletterblockaden, Flugblattaktionen, Sabotage und militante Auseinandersetzungen, aber auch die Ausschöpfung der juristischen Möglichkeiten („Barrikaden aus Papier“) haben eine Situation geschaffen, die seit über 6 Monaten die derzeit wichtigste Baustelle des französischen Atomprogramms stilllegt.

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