Die Zäune wurden durch 20 Jahre Zorn niedergerissen

 » Hätten wir dies schon vor  25 Jahre gemacht, wäre alles anders gekommen « 

Ein ehemaliger Landwirt von Mandres en Barrois

Der 18. Februar war als Mobilisierung gegen die Räumung des besetzten Waldes Bois Lejuc gedacht. Der wurde zu einer schweren Niederlage für die nationale Agentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll ANDRA.

Ca. 600 Menschen versammelten sich an diesem frischen und sonnigen Vormittag und liefen zum besetzten Wald bois Lejuc. Auf dem Weg dorthin, auf Höhe des kleinen Waldstücks Chaufour, waren das „Erkundungsbergwek“ sowie weitere Flächen, die die ANDRA für das Atomklo-Projekt CIGÉO in Anspruch nehmen will, zu sehen. Der Demozug lief am Weg der früheren Demonstrationen vom Sommer 2016 entlang. Im Wald angelangt, konnten die Teilnehmer*innen das warme Essen der Volkxküche genießen und die Boden- und Baumhütten der Waldbesetzer*innen bewundern. Die Stimmung war fröhlich. 700 gelbe Stoffstreifen wurden im Wald verteilt, als Symbol des Widerstandes im Wald gegen die atomare Wüste.

Der Demozug verließ den Wald gegen 15 Uhr. Die Teilnehmer*innen nahmen jeweils ein Stück der im Sommer zerstörten Mauer der ANDRA mit. Die Demonstration führte über das „Labo“, das „Erkundungsbergwek“ der ANDRA. Die hoch aufgerüstete militärische Polizei bewachte das Areal. Stacheldraht Zäune und weitere Mauern waren errichtet worden. Das Bild, das dieses Arsenal bot, hatte Ähnlichkeiten mit durch die ANDRA im Sommer errichteten kilometerlangen der Mauer der ANDRA um den Wald: Das ist das Bild der atomaren Industrie hinter ihre militärische Festung.

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Die Menschenmenge schlug im Rhythmus der Samba mit den Steinen der Mauer auf metallischen Leitplanken. Der Schrei der Heulen von Bure war zu hören. Die Menschen ließen sich nicht aufhalten. Die Menschen verteilten sich um die „ècothèque“ (die ANDRA gibt sich Öko und hat eine Art Haus der Natur errichtet). Demonstrant*innen gelangte schließlich an die Zäune und rissen diese nieder – ohne sich dabei vom Tränengashagel einschüchtern zu lassen Andere Demonstrant*innen beobachteten das Treiben aus sicherer Entfernung und ermutigten die Aktivist*innen am Zaun. Die Straße wurde mit Farbe verschönert. Das ganze wurde mit Musik begleitet. In den Mitteilungen der Präfektur war die Rede von ca 50 vermummten gewaltbereiten Menschen. Die Stimmung vor Ort war aber anders. Der Diskurs der Behörden, die die Demonstrant*innen in Gewaltkategorien einteilen, ging nicht auf.

Die Menschen zeigten sich solidarisch zueinander. Zum ersten mal in 25 Jahren wurden die Anlagen direkt angegriffen und die Aktion wurde von allen mitgetragen. Wenn die Welt so werden soll, wie die ANDRA sie haben will, dann ja, wir sind alle Chaoten! Wir werden diese Welt zerstören.

Die Polizei antwortete auf die Protestaktion mit Angriffs- und Tränengasgranaten. Innerhalb von wenigen Minuten wurden 20 Menschen verletzt. Zwei mussten ins Krankenhaus gebracht werden, viele Aktivist*innen wurden durch Metallsplitter verletzt. Die Polizeigewalt trübte die Stimmung jedoch nicht. Die Demonstrant*innen zogen sich ruhig nach Bure zurück.

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Das Widerstandswochenende ging mit einer Mahlzeit am Haus des Widerstandes in Bure und Konzerten auf einer Wiese in einem Zirkuszelt weiter. Ein Infokiosk, Gemeinschaftszelte und ein erste-Hilfe-Zelt rundeten das Angebot ab. Die Party ging bis spät in die Nacht. Der Tag wird vielen Menschen als historisches Ereignis im Kampf gegen das Atommüllklo in Erinnerung bleiben. Das Gefühl, Dinge verändern zu können, aktiv gegen die Zerstörungen werden zu können, bleibt.

Nach der Fall der Scham-Mauer im Sommer, sind nun die Zäune der ANDRA niedergerissen worden. CIGEO bekommt Risse. Es gibt neue Hoffnung für die Menschen, die mit Demonstrationen, Petitionen und Camps seit 25 Jahren gegen das Atomklo kämpfen. Resignation war gestern, die Hoffnung ist wieder da. Wir träumen von einer besseren Zukunft – ohne atomare Militarisierung der Départements Meuse und Haute-Marne

Gegner*innen des CIGÉO Projektes

Videos

Video der Fackelmarsch vom 14. Februar