Gegen jede Polizei, in Bure und anderswo

Stellungnahme von Sanitäter_innen Teams aus verschiedenen Kämpfen.

Das Atom Endlager Projekt in Bure, hat aus diesem Stück Land und diesen Wäldern ein belagertes Territorium gemacht. Die dauerhafte militärische Besatzung und der energische Widerstand geben seit ein paar Jahren den Rhythmus des Kampfes gegen die mörderischste aller französischenIndustrien an. Während der Demonstration am 15 August dieses Jahres, gegen das „Zentrum der nationalen Agentur der Radioaktiven Abfälle“ (ANDRA), wurde der Standort für das zukünftige Endlager, durch Hundertschaften von Gendarmerie / Bereitschaftspolizei abgeriegelt.

Sie schossen nicht mit scharfer Munition an diesem Tag – Polizisten und Gendarmes haben aber bereits in den letzten Monaten Handfeuerwaffen gegen Demonstrant_innen gezogen und bedroht – aber sie machten wieder starken Gebrauch von Schock-und Blendgranaten, welche schwerste Verletzungen verursachen, verstümmeln und töten.

Jedes mal wenn sich konsequenter Widerstand breit macht, versucht der Staat uns in Schock zu versetzen. Aber es ist Wut die wir, in diesen Landschaften eines Krieges der nicht seinen Namen nennt, verspüren, wenn ein Demonstrant getötet wird. Wie Remi Fraisse in Sivens, wenn Demonstrant_innen verstümmelt werden, wie während den Demonstrationen gegen “la loi travail”, oder wenn während der Demonstration vom 15. August der Fuß von Robin P. durch eine Blendgranate (Typ: GLIF4) zerfetzt wird.

An diesem Tag in Bure richteten sich unzählige Schüsse von Schock- und Blendgranaten gegen die Demonstrant_innen, die sich gerade am zurückziehen waren. Eine dieser Granaten explodierte und riss drei Menschen zu Boden. Die Evakuierung bis zum Demokrankenwagen war schwierig, die Gendarmes schossen weiter und zielten auf die Träger_innen der Verletzten. Im Krankenwagen schrie die am Fuß verletzte Person, wie am Spieß und wir haben uns beeilt die Wunde zu reinigen und die offene Stelle zu
schützen. Wir haben Rückstände der Blendgranate und das verbrannte Gewebe des Schuhs und der Kleidung festgestellt. Der ganze obere Teil des Fußes war zerfetzt, Und ungefähr um die dreißig Granatrückstände an den zwei Beinen fügten ihm große Schmerzen zu. Wir haben ihn ohne zu zögern bis zu den Feuerwehrleuten evakuiert, die, nachdem sie bereits kurz zuvor wegen einer anderen Person die schwer am Kopf verletzt war, gerufen wurden, im nächsten Dorf waren.

Die Medien reden nur von einem Schwerverletzten, Robin, da die andere am Kopf schwerverletzte Person es bevorzugt hat die Verletzung zu verbergen, die Behandlungen zu verweigern und seinen/ihren Namen zu verschweigen. Wir wissen auch, dass die Polizei sich nicht mit legalen Prozeduren abgibt, und dass sie mit Gewalt in die Notaufnahme eingedrungen ist, um Personalien von Genoss_innen herauszufinden. Leider wurde dies in einigen Fällen vom Pflegepersonal gebilligt. Ein Pflegepersonal dass leider der Autorität ergebener ist, als dem medizinischen Geheimnis. Robin, der die Amputation seines Fußes riskierte und der notfalmässig operiert wurde, musste sich zwischen zwei Operationen, zweimal mit der Aufdringlichen Polizei auseinandersetzen: Zimmerdurchsuchung und Einvernahme. Die Polizei kennt die Gefahren und schwere der Verletzungen die ihre Geschosse verursachen sehr genau und versucht jede mögliche Klage durch Druck, auf das Krankenhaus und sein Personal oder direkt gegen die Betroffenen zu verhindern.

Die anderen, die während der letzten Wochen verletzt wurden und unter schweren Traumas (Knochenbrüche, innere Blutungen, Wunden und Prellungen) und vorübergehenden Behinderungen leiden, sind unzählige, so unzählig, dass das Risiko besteht sie zu bagatellisieren.

Das war weder das erste noch das letzte mal, dass wir gegen die eskalierende Polizeigewalt zusammen halten mussten. Jeder konsequente Widerstand muss heute einer Militarisierung, der Ausnahmezustand der zur Regel wird, gegenüber stehen. Bis hin zu der Integration des Ausnahmezustands in der sogenannten gewöhnlichen Legislation.

Es sind Methoden der Kriegsmedizin mit denen wir uns vertraut machen und unsere eigenen Sanitätsnetzwerke die wir intensivieren müssen. Es sind der physische Schutz und Schutzmittel die heute die Garantie unseres Überlebens in Demonstrationen sind. In den Kämpfen, in den Quartieren, sehen wir uns einer militärisch aufgerüsteten Polizei gegenüber. Die Blendgranaten (Typ: GLI F4), die Rafales (franz. Militärflugzeuge) oder die Atom Bewaffnung sind gigantische Märkte, in die die Regierung investiert, um nicht zusammenzubrechen und um ihr “know how” in Sachen Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung exportieren zu können. Die letzte Bestellung von Granaten aller Art, in einem Wert von 22 Millionen Euro, die seit einigen Tagen die Tagespresse geistert, könnte durch seine Maßlosigkeit wie eine Provokation wirken, aber sie ist die logische Konsequents einer Strategie, um die Kämpfe, die diese Regierung in den kommenden Jahren fürchtet, im Keim zu ersticken.

Niemand wird bezweifeln, dass die Gegen-Revolution die “en Marche” (franz. Auf dem Weg. Name der Regierungspartei von Emannuele Macron ist, Kämpfe, Widerstand und neue Erfindungen wecken wird. Der elementare Aufschrei; “wir werden uns nicht regieren lassen!” der in den Kämpfen gegen die Präsidentschaftswahl im letzten Frühling, skandiert
wurde, wird sich ohne Zweifel in den nächsten Jahren multiplizieren. Und der Kontrast, zwischen einem Cover-Boy, Ex-Bänker, Umstands-Marionette einer rabiaten Zerstörungs-Maschine und derer die sich von befreiten Gebieten, von aus in Kämpfen und Streiks entstanden Freundschaften, von der Gastfreundschaft Exilirter und der Pflege die wir uns gegenseitig entgegenbringen nähren, wird umso größer sein.

Ein Historiker der italienischen Resistance, Claudio Pavone, schrieb die Worte des Antifaschistischen Bauerns Jemolo nieder: “ Es ist einzigartig, diese fürchterliche Freiheit der Wahl für die Größten Sachen, und dieser ganz klar vorgegebene Weg für die Kleinsten.”

Gegen die Niedertracht dieser Erstickenden Welt, die sie uns mit der Feuerkraft ihrer Polizei aufzwingen wollen. Wir werden mit der Wahl, Wege die uns zu anderen Welten führen zu zeichnen, fortfahren.

Sanitäter_innen aus Bure und anderswo