Räumung: Erste Pressemitteilung von einigen Eulen aus Bure

22. Februar 2018 – Heute Morgen um 06:15 Uhr begann die Räumung des besetzten Lejuc-Wald (frnz. : « Bois Lejuc ») mit 500 Roit-Bullen, verstärkt von einer Kommunikations-Kampagne des Innenministeriums. In den Medien werden Sckock-Bilder verbreitet, von Militärfahrzeugen die neben dem Bois Lejuc parken, selbst gebaute Häuser die angegriffen und zerstört werden und vermummte Bullen mit Kettensägen und Kameras.

Dieser Einsatz, der auf einer Entscheidung des tribunal de grande instance von Bar-le-Duc basiert, fand statt bevor alle anderen Gerichtsverfahren, v.a. ob der Wald ANDRA (Firma, die für die Lagerung von nuklearen Abfällen zuständig ist) zur Verfügung steht, entschieden sind. Darüber hinaus ist auch der offizielle Winter-Räumungsstopp noch nicht vorbei, welcher vorsieht dass in den Wintermonaten keine Wohnorte z.B. Squats geräumt werden dürfen. Obwohl sich im Wald auch viele Wohn- und Lebensräume befunden haben, wurde dieser Ort nun zerstört.
Es gibt sogar lokale Politiker_innen die die Adresse ihrer Verwaltung in den besetzen Wald verlagert haben.
Auf legaler Basis kann ANDRA zur Zeit keine Rodungen im Lejuc-Wald vernehmen, da das französische Umweltministerium die beschlossen hat, dass zuvor ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit des Projekts erstellt werden muss. Zudem beginnt im März die Nistzeit, was zur Konsequenz hat, dass ohnehin keine Rodungen vorgenommen werden dürfen.

Und trotzdem: Wie bereits 2012 in Notre-Dame-des-Landes, kommen die Bulldozer direkt hinter den Bullen. So schnell wie möglich wird alles dem Erdboden gleich gemacht, die Wohnräume und persönlichen Sachen vieler Menschen werden innerhalb kurzer Zeit vernichtet.
Bereits bei der ersten Räumung der Besetzung im Juli 2016 zerstörten ANDRAs Maschinen Teile des Waldes, bis er Mitte August 2016 wiederbesetzt wurde.

Jetzt sind die Bäume noch besetzt. 20 Riot-Bullen stehen darunter. Viele Menschen wurden während des Einsatzes und darauf folgender Polizeiaktionen festgenommen oder ihre Personalien kontrolliert.

Widerstand ist überall
Die Räumung, welche von Macrons Regierung angeordnet wurde, geschieht im Kontext eines Versuchs der Zerschlagung von sozialen Bewegungen von Student_innen, Arbeiter_innen, Migrant_innen etc. An deren Stelle wird ein soziales und industrielles Modell des Kapitalismus gesetzt, der viele Menschen immer ärmer macht, die Umwelt zerstört und mit Zwang angewandt wird. Der Präsident tritt damit in die neoliberalen Fußstapfen von Margaret Thatcher : Es gibt keine Alternative. Die Nachricht ist deutlich.

Dieser spektakuläre Polizeieinsatz ist vor allem ein politisches Manöver, das sicherstellen soll dass nach der Einstellung des Flughafen-Projekts in Notre-Dame-du-Landes keine weiteren Widerstands-Nester entstehen, die Großprojekte zum Stopp zwingen.
Ein Einsatz, der versucht jegliche Bewegung zu ersticken, bekommt als Symbol eine kleine Hütte die diese Woche von Menschen aus Dijon gebaut werden sollte. Um in den Worten des lokalen Präfekten zu sprechen : „dieses Bauprojekt zeigte die Entschlossenheit langfristig eine Gegenkraft aufzubauen“.

Wir sagen, dass sie sich verrechnet haben. Wir haben bereits langfristige Infrastrukturen aufgebaut, sowohl im Wald und in den nahen Dörfern, in denen wir leben, als auch in ganz Frankreich. Jeder Polizei-Einsatz verstärkt die Unterstützung von Gegner_innen des CIGEO-Projekts.
Der Staat hat beschlossen heute Morgen seine Macht zu demonstrieren, was uns in der Notwendigkeit bestärkt, weiter Widerstand zu leisten und uns in ganz Frankreich und darüber hinaus zu organisieren. Außerdem hat sich bestätigt dass CIGEO ein entscheidender Punkt für die Atomindustrie ist. Diese zwingt sich mit Gewalt auf und behauptet gleichzeitig dass die Menschen in der Region ein Mitspracherecht hätten.

Als wir die Besetzung des Lejec-Waldes im Juni 2016 begonnen haben, dachten wir nicht, dass wir dort lange sein würden, dass dutzende Unterstützungskomitees in ganz Frankreich entstehen würden. Wie üblich versucht die offizielle Politik mithilfe der großen Medien ein Spiel zu spielen in dem die bösen, unausstehlichen Squatter den friedlichen Bürgerinitiativen gegenüber stehen. Diese Sprechart hat in Bure noch nie funktioniert und wir arbeiten zusammen, auch wenn wir manche Dinge unterschiedlich angehen.

All die Medien bezeichnen Bure als eine ZAD um ein entsprechendes Bild in den Köpfen der Zuschauer_innen zu erzeugen. Für uns war immer klar, dass es keine ZAD in Bure gibt, denn es geht um mehr als ein abgestecktes Gebiet. Die Gefahr und Zerstörung von Menschen und ihrer Umgebung, die von Atomenergie ausgeht kennt keine Grenzen. All dies geschieht im Namen von Sicherheit, Kontrolle und Profit.

Die fast Pornographische Darstellung des Polizeieinsatzes und das mediale Spektakel um die sogenannte Rückkehr zum gesetzestreuen Zustand, wird unsere Köpfe und Herzen nicht davon ablenken was hier in Bure in den letzten Jahren geschehen und entstanden ist. Und es wird uns auch in den nächsten Jahren nicht aufhalten.
Die heutige Räumung des Lejuc-Waldes, sollte all jene treffen die in den vergangenen Jahren hier waren und noch immer ein Stück des Widerstandes in Bure in sich tragen.

Aber jede Attacke verstärkt unsere Entschlossenheit !
We will never be atomised !