Internationales Treffen

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Ein intensiv gelebter Augenblick ist mehr wert, als ein jahreslanges Dahinleben in Todesstille.“ (Michel Bakounin)

Ja, es wird ein politisches Camp diesen Sommer vom 1. bis 10. August 2015 in Bure geben!

Es hätte auch anderwärtig, als in Bure seine können, denn es fehlt nicht an Aktionsplätzen auf Land und in Städten, wie in Notre- Dame- des -Landes, Sivens, Roybon, Chambéry, Hambach, Val-Susa, Khimki, Rosia Montanta, Gorleben usw.

Nach Bure zu kommen, bedeutet nicht unbedingt, ein Verfechter des Naturschutzes oder Atomkraftgegner zu sein. Nein, man kann einfach nur davon überzeugt sein, dass es heute notwendig ist, über spezifische Kämpfe hinaus, Brücken unter den vielfältigen Kämpfen zu entwickeln und all die gemeinsamen Energien zu verbünden. Eine Föderation sollte gebildet werden, die sich gegen die dominierende Autorität und deren Strukturen und gegen die Bebauungspläne der ländlichen und städtischen Gebiete, den Kapitalismus und die Kolonialpolitik und gegen die Logik der verschärften Sicherheitsmassnahmen auflehnt. Über unsere kritische Beziehung zur aktuellen Situation hinaus, sind wir besonders darauf bedacht, neue, freie, alternative Lebensbereiche zu entwickeln, die in Eigenverwaltung funktionieren können, wo jeder seinen Platz finden kann und sich dort auch wohlfühlen kann und die eine konkrete Alternative zu den bestehenden Systemen darstellt. Die Anfangsphase wird lang sein, um sich wirklich austauschen zu können, um gemeinsame Projekte zu entwickeln, wo es sicher auch Auseinandersetzungen, aufgrund von Erfolgen und Misserfolgen in der Vergangenheit und der aktuellen Zusammenhänge, geben wird. Diese sind aber für ein gemeinsames Wirken notwendig.

Dieses Camp ist für uns in einer Kontinuität eingeschrieben. Es soll ein Schritt für zukünftige, gemeinsame Strategien sein. Es wird nicht nur diejenigen fester verbinden, die sich heute schon dafür organisiert haben, sondern es wird auch ermöglichen, all diejenigen zusammenzuführen, die die Notwendigkeit eines Widerstandes heute klar erkennen und ihn konkret ausdrücken wollen. Dafür sollten wir alle unsere so dringenden Zeitpläne ein wenig zur Seite schieben, und uns einfach mal die Zeit nehmen, die Möglichkeit zu nutzen, in Aktion zu treten.

Im Austausch all derer, die unsere Überzeugungen teilen, ist hervorgegangen, wie wir unser Zusammensein und unsere Kämpfe führen wollen. Wir wollen unseren Kampf gegen die Atomkraftindustrie ausweiten, in Bure und anderweitig. Die Andra ist dabei, die betroffene Region, unwiederbringlich, in einen Atommüllplatz umzuwandeln. Diesbezüglich wollen wir unseren Kampf vor Ort verschärfen, da die örtliche Situation mit einer weiter reichenden Problematik in Zusammenhang steht!

Die Wochenenden können auch für Aktionen genutzt werden. Sie können gemeinsam so organisiert werden, dass jeder seinen Neigungen nach, an dieser oder jener Aktivität teilnehmen kann.

Ein solches Camp kann keinesfalls eine Lösung der komplexen Problematik darstellen. Es bietet einfach nur die Möglichkeit, zusammenzutreffen, um einen Bereich zu teilen, der momentan überall immer mehr eingeschränkt wird. Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Erfahrung heute noch an Solidität und Sicherheit mangelt, aber wir können gemeinsam mit unseren unterschiedlichen Sichtweisen, Energien und Erfahrungen, einen gemeinsamen Willen stärken, gegen Unterdrückung und aufgezwungene Kompromisse anzugehen.

Wir rufen alle auf, mit uns in Bure ab dem 1. August 2015 für 2-3 Tage der Aufbauphase zusammenzutreffen, um anschließend weitere Tage im Austausch, in Diskussionen und Aktionen zu verbringen


Diesen Sommer, bring deine Spitzhacke mit nach Bure.

Wir haben 10 Tage um ANDRA zu begraben!

 

Das Atommüll-Management hat keine Lösung und wird auch nie eine haben. Der Müll wird immer da sein, ob hier in Bure 500m unter der Erde oder woanders. Die Dringlichkeit ist nicht die Klärung der Frage nach dem Umgang mit dem Atommüll, sondern die Abschaffung seiner Produktion. Wenn die Atomindustrie und der Staat das Problem so schnell wie möglich beerdigen wollen, ist das nur, um die Produktion weiterzuführen. Wir sind gegen die Zerstörung der Umgebung, in der wir leben in Meuse und überall und gegen die Weiterführung der Atomindustrie, egal wann.

Wir schlagen dir vor, dich mit uns zwischen dem 01.-08. August in Bure zu treffen, um uns zusammen die Zeit zu nehmen den konkreten Widerstand gegen CIGEO und seine Welt zu verstärken.

 

Der Abstieg des Atoms

 

Nach einem halben Jahrhundert der Vergiftung, hat die Atomindustrie keine Lösung angesichts des Atommülls. Aus dieser Unfähigkeit heraus, will der Staat das Vergraben durchsetzen, die Mittel werden dabei immer mafiöser: eine demokratische Maskerade, Landaneignung, Autoritarismus und Gewalt.

Nachdem die „Agence National pour la gestion des Déchets Radioactifs-ANDRA“ [Nationale Agentur für das Management radioaktiver Abfälle] frankreichs in den 80er Jahren von vielen anderen möglichen Flächen vertrieben wurde, richtete sie sich 1993 für eine Forschungsphase im Departement Meuse, genauer in Bure, ein.

Als spärlich bevölkerte Gegend (7 Einwohner.Innen pro Quadratkilometer) ist Bure ein Traumgebiet, um die schlimmsten menschlichen Abfälle anzuhäufen. Seit 2001 existierte ein unterirdisches Labor und 2006 wurde das ANDRA Projekt, trotz der Vorbehalte eines öffentlichen Diskurses, in ein „Industrie-Center geologischer Speicherung“ (CIGEO) umgewandelt.

Bis jetzt ist noch kein radioaktiver Abfall angekommen: die Großbaustelle soll 2017 eröffnet werden und die ersten Abfälle werden ab 2025 eintreffen.

Wir haben beobachtet, dass neben einem schon vorhandenen experimentellen Labor, Archiven und einer Öko-Bibliothek [„Ecothèque“] (mit Erinnerungen an ein vor-nukleares Zeitalter), ähnliche Arbeiten jeden Tag beginnen. Da werden Straßen vergrößert, Erde wird für das Projekt angehäuft (durch SAFER) und der umgebene Wald abgeholzt usw.

Zur gleichen Zeit entsteht ein begleitendes industrielles Programm im Süden von Meuse: eine Plattform für den Transport radioaktiver Materialien, eine weitere Plattform zur Lagerung neuer Teile für das Atomkraftwerk und eine Einrichtung um Wissen zur Atomkraft an Schüler zu vermitteln.

Alle Versuche sich mit legalen Mitteln zur Wehr zu setzen sind bis jetzt gescheitert : Eine Petition mit 42000 lokalen Unterschriften, die ein Referendum fordert-verschwendet! ; Die Schlussfolgerung einer öffentlichen Debatte in 2006, die die Vorbehalte gegen die Tiefendlagerung zum Vorschein bringt, zur Seite gewischt! ; Die örtlichen Entscheidungen gegen das Vergraben, unbedeutend!

Als Antwort auf den Bau des ANDRA Labors, konnte vor 10 Jahren innerhalb eines Netzwerkes lokaler und internationaler Verbände mit Hilfe deutscher Atomkraftgegner ein Haus gekauft werden und dann dank persönlicher Spenden und Investitionen vorbeikommender Aktivisten renoviert werden. Diese Haus soll ein Ort unabhängiger Informationen, einer Organisation mit alternativen Energien, kollektiver Wohnraum und des Willkommens sein. Dieses „Haus des Widerstands gegen den Atommüll“ hat es einzelnen Individuen und Gruppen ermöglicht einen lokalen Kampf zu etablieren und viele Menschen in diesem Kampf zusammenkommen zu lassen.

Während die historischen Komponenten auf dem Terrain in Bure seit 20 Jahren ein Bewusstsein erzeugen, Netzwerke kreieren und die Machenschaften von ANDRA überwachen, schreitet das Projekt des Staates voran. Über Formen der assoziativen Organisation heraus wird es immer notwendiger konkret gegen CIGEO aktiv zu werden.

Warum sind wir dagegen?

 

Der Müll ist das unlösbare Problem der Nuklearindustrie, wir können ihn nicht verschwinden lassen und er bleibt Millionen von Jahren. Seine Handhabung ist das fehlende Verbindungsstück im französischen Atomprogramm.

Egal ob jemand gegen oder für Atomenergie ist, die politische Elite will, dass jede.R die Notwendigkeit der Handhabung des Atommülls anerkennt. Das ist eine Strategie der Entpolitisierung des Themas unter dem Vorwand zukünftige Generationen zu schützen, nicht mehr und nicht weniger. Aber seit wann ist die Nuklearindustrie humanistisch? Wenn der Staat und die Nuklearindustrie konsequent wären , würden sie mit der Produktion in dieser schizophrenen Weise

aufhören. Das würde uns allen ersparen, für immer mit den Risiken, die mit Atomkraftwerken und dem Transport strahlenden Materials einhergehen, zu leben.

Also wird uns gesagt „ Der Müll ist schon da“ und richtig er ist da und er wird auch immer noch da sein in 500m unter der Erde. Die Katastrophe zu beerdigen heißt nicht sie zu beseitigen. Wir kommen aus der Atomenergie nicht mehr heraus. Wir möchten weder schlichten, noch „eine Lösung vorschlagen“, für das ewige Problem, das die Handhabung des radioaktiven Abfalls darstellt. Wir sind keine Co-Manager die mit ihren alternativen Gutachten den Nukleokraten [Bürokraten der Atomindustrie] freiwillig die Taschen füllen. Es geht nicht darum, den technologisch-industriellen Apparat und die Politik auf eine Lösung zur Handhabung des Mülls aufmerksam zu machen, sondern darum die nukleare Produktion anzuhalten.

Die Hälfte des Abfalles, den sie vergraben wollen, ist noch nicht produziert…Die momentanen Lager sind voll und jetzt geht es darum, den störenden Müll zu verstecken und Platz zu schaffen für zukünftigen Nuklearabfall und endlich so schnell wie möglich eine Lösung zu hochzuhalten, um die Fortführung des Atomprogramms zu legitimieren. Mit anderen Worten, die Katastrophe aufrecht zu erhalten.

CIGEO reagiert mit dem selben Machtspiel, welches auch die Pharmaindustrie und Agrikultur bestimmt…

CIGEO ist außerdem ein internationales marketing- Unternehmen, welches zum Ziel hat, den Eindruck zu erwecken, die französische Nuklearindustrie habe alles unter Kontrolle;von der Gewinnung des Urans bis hin zum Rückbau der Kraftwerke. Gegen CIGEO anzugehen, heißt die französische Energiepolitik zu bekämpfen, welche Frankreich zum Umchalter Nummer eins in Europa und Maghreb machen soll. Von EPR-Reaktoren über die Tiefendlagerung bis hin zu Hochspannungsleitungen ist CIGEO das Ergebnis einer Serie von Umweltbeeinträchtigungen und Raumordnungen, aufgezwungen durch die Nuklearindustrie. Jenseits der Zerstörung einer ganzen Region, zielt die Tiefendlagerung darauf ab, die Atomstrombranche überall auf Dauer anzulegen und außerdem die guten Tage für die Kraft des Staates und des Kapitalismus abzusichern. Sie zielt darauf ab, das Wachstum des europäischen Strommarktes und industrielle komplett-elektronische Innovationen wie alle Objekte verknüpft mit Elektroautos, intelligente Netzwerke, Smartphones und alle diese wichtigen Persönlichkeiten, die uns die Entwicklung und das Management unsere Lebensverhältnisse versprechen, in einem glänzenden Licht darzustellen.

Der Strahlenfluss sickert unweigerlich aus Bure heraus.

Deswegen sind wir gegen das Vergraben des Atommülls hier und überall.

CIGEO geht uns alle etwas an!

Versammle dich diesen Sommer in Bure!

 

Die Blockade der öffentlichen Debatte 2013 hat dem Kampf das Gefühl kollektiver Stärke zurückgegeben. Die lokale Mobilmachung vieler Menschen, die sich vor Ort gegen das Projekt wehren, die vielen Vereine mit eingeschlossen, zeugen von der Entschlossenheit, die Machtlosigkeit und die Fremdaneignung des Kampfes angesichts der Lügen, der Korruption und der Scheinrücksprachen nicht länger hinzunehmen.Wir wollen nicht nur informieren, sondern das Gleichgewicht umkehren: falls das Treffen es schafft, Bure Aufmerksamkeit einzubringen, wird es vor allem Gelegenheit für konkrete Aktionen sein.

Seit mehreren Jahren teilen wir gemeinschaftliche Erfahrungen und Gemeinsamkeiten in unseren Praktiken: Weitergabe von Wissen, horizontale Organisation, offene Räumlichkeiten in welchen es möglich ist kollektives Miteinander zu erproben, Wohlwollen den anderen Personen gegenüber.

Nach Bure zu kommen heißt nicht zwangsläufig Öko- oder Antiatomaktivist zu sein, aber es bedeutet, dass wir von der Notwendigkeit, sich über lokale Kämpfe hinaus zu organisieren, überzeugt sind. Zusammen erstellen wir ein Gebiet, um dort 10 tage lang Erfahrung und Praktiken auszutauschen und Diskussionen über Kämpfe hier wie anderswo und unsere verschiedenen Arten und Weisen kollektiv zu Leben zu führen, und all das innerhalb einer antiautoritären Atmosphäre, und darauf bedacht, alle Formen von Dominanz zurückzuweisen.

Wir werden das Thema der aktuellen Kämpfe (Bure, ZAD, NoTav, Hambacher Forst) und die Entwicklung der Repression und reaktionärer Bewegungen zur Sprache bringen, um den Kampf in Bure besser abschätzen zu können und gemeinsame Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Es wird außerdem eine Gelegenheit sein uns hinsichtlich des COP21, UN-Klimagipfel im Dezember in Paris, zu organisieren.

Lasst uns kreative Ideen für unsere Leben skizzieren.

Einige Zahlen :

 

Die geplante CIGEO in Bure soll 99% der französischen Radioaktivität repräsentieren und wird außerdem eine der folgenreichsten europäischen Projekte der nächsten Jahre. Die Abfalllagerungsstätte in Bure (500m unter der Erde) nimmt 200ha Anbaufläche, 200ha Wald und ein Tal ein. Dazu kommen nochmal 10 Millionen Kubikmeter ausgehobener Erde, und durchschnittlich zwei ankommende Züge pro Woche für 130 Jahre. 50% dieses Volumens sind noch nicht oder von Nachbarländern produzierte Abfälle. ANDRA arbeitet unter anderem im Dienste von CEA [Kommission nuklearer und alternativer Energien], AREVA [französisches Urangewinnungsunternehmen] und EDF [größter französischer Stromerzeuger].