Über VMC

Das Kollektiv VMC ist hervorgegangen aus mehreren Treffen der letzten Jahre im Rahmen von NoBorder- und Klimacamps und den Kämpfen und Besetzungen in Notre-Dame-des-Landes, Val Susa, Chefresne und Valognes.

 

Und gemeinsam ist der Entschluss, den Kapitalismus und alle Formen von Herrschaft zu Fall bringen zu wollen. Wir teilen die gemeinsame Idee von Politische und Materiale Autonomie. Ein selbstbestimmtes Leben frei von ökonomischen Zwängen und Überwachung. Offene Grenzen, offene Felder.

Und der Wille, sich bei diesem Kampf nicht auf Institutionen zu verlassen.

Wir wollen unsere Kräfte und unsere Erfahrungen zu bündeln. Jeder einzelne Aspekt unserer Kämpfe manifestiert sich in der Ankündigung zu den Weltklimaverhandlungen im Dezember 2015 in Paris, der COP21, bei der es sich um internationale Klimaverhandlungen nach dem Modell von Kopenhagen 2009 handelt.

Diese Momente sind die Gelegenheit, die Aktionen in einen transationalen Kontext zu setzen und es erscheint uns grundlegend wichtig darüber nachzudenken, wie wir uns daran beteiligen wollen, ohne sich deshalb zwangsläufig auf die „rote Zone“ zu beschränken.

Auf der anderen Seite erscheint uns der Kampf gegen das Verbuddeln von radioaktivem Abfall in Bure an der Maas, der Kampf dem wir seit zahlreichen Jahren angehören, als ein Wendepunkt und das Camp dort abzuhalten erscheint uns als eine Möglichkeit, dies Kampf in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und ihn zu unterstützen.

Unser Zorn ist nicht rückgängig zu machen. Er organisiert sich.

Vladimir, Martine & Co

 


Warum „Vladimir, Martine & Co“?

 

Dass wir entschiedenhaben unser Kollektiv Vladimir, Martine & Co zu nennen, liegt daran, dass wir uns solidarisch mit Vladimir Martynenke, der Mann der aus Versehen das Falcon Flugzeug zum Absturz brachte, in dem sich Total Chef Christoph de Margerie befand, zeigen. Vladimir Martynenko, Flughafenarbeiter am Flughafen Moskau Vnukovo, wird beschuldigt das Schneeräumfahrzeug, das er fuhr, auf der Startbahn gelassen zuhaben.  Auch, wenn uns der Tot eines Menschen nicht erfreut, kümmern wir uns mehr um das unglückliche Schicksal eines Arbeiters, als um den unpassenden Abschied einer derjenigen Menschen, die durch ihren weltweiten Einfluss unseren Planeten jeden Tag ein Stück mehr in Richtung Katastrophe drängen.

Am 15. Mai 2015, haben wir ihm über seinen Anwalt Alexander Karabanov diesen Brief zukommen lassen, auch wenn die vorübergehende Inhaftierung Vladimirs zum zweiten Mal verlängert wurde, dieses Mal bis nächsten Juli. Der Brief ist am 30. Mai in Russland angekommen.

Dies ist ein offenerBrief und wir wünschen uns, dass er überall verbreitet wird.

 

Lieber Vladimir,

Du kennst uns nicht, aber wir sind zahlreich und wollen dich unterstützen. Angesichts der schweren Zeit, die du durchmachst,  möchten wir dir zu aller erst unsere komplette Solidarität zum Ausdruck bringen.

Die Mächtigen dieser Welt wollen, dass wir isoliert voneinander bleiben. Aber wenn einer der großen Chefs dieser Welt verschwindet, ist es die Erleichterung, die die Ausgebeuteten weltweit verbindet. Damit eins klar ist, wir weinen nicht angesichts des Todes von  De Margerie.

Als wir die Neuigkeit seines Todes erfuhren, haben wir angemessen gefeiert. Manche sagen, man erfreue sich nicht am Tod. Das ist wahr, aber sein Tod klingt für uns wie Gerechtigkeit. Die Geschichte wird sich an deinem Namen erinnern und für uns ist dein Schneeschieber ein Symbol geworden.

Manchmal wird man gegen seinen Willen zum Helden. Du bist ein solcher für uns und wir werden es nicht versäumen, dich daran zu erinnern, dass du freigesprochen werden solltest.

Vielleicht ist dir nicht bewusst, für was De Margerie steht. Für uns verkörpert er zu viele Dramen, als dass sein Tod es wert wäre, Tränen darüber zu vergießen. De Margerie reiste zu viel für unseren Geschmack. Er nahm zu sehr an der Zerstörung unsere Leben teil. Und das immer deutlicher werdende Interesse Totals am Schiefergas, ließ auf keinen bessere Zukunft hoffen.

Wir, und unsere Feinde auch, wissen, wie sehr du unschuldig bist dessen, was man dir vorwirft und wie schäbig es ist, dich für etwas bestrafen zu wollen, was nicht von dir abhängt. Es ist zu einfach, die kleinen Leute zuverurteilen, wenn, durch Zufall oder Fehler, ihr Leben unglücklicherweise das der großen Persönlichkeiten kreuzt. Margerie hatte nur wenig übrig für kleine Leute wir dich oder uns. Er gehört zu denen, die uns mit ihren Stiefeln zertreten. Und für all das, was er begangen hat, hat nie jemand einen Schuldigen gesucht.

Wie dem auch sei, mit deinem Missgeschick hast du etwas erreicht, was für uns eine starke politische Geste ist: die unheilvolle Existenz eines der mächtigsten Männer der Welt auszulöschen.

Das Leben von Margerie verkörpert die Ausbeutung Tausender Frauen und Männer, Verschmutzung und ökologische und soziale Desaster, die Zerstörung Tausender menschlicher und nicht menschlicher Leben. Das was er überJahre wissentlich getan hat, ist nicht mal ansatzweise vergleichbar mit dem, was dir vorgeworfen wird.

Wir wissen ebenso gut, dass sein Tod Total nicht ohne Oberhaupt zurück lässt. Wie in allen Dynastien war seine Nachfolge gesichert. Es gibt immer einen Bestand an Aasgeiern, die nur darauf warten, die Macht an sich zunehmen.
 
Heute, wo deine Inhaftierung bis Sommer verlängert wurde, möchten wir dir unsere wärmsten Gedanken schicken und unsere besten Wünsche, um Mut zu machen. Du sollst wissen, dass wir hier hunderte sind, die deine Freiheit erhoffen und dafür kämpfen, dass diese Welt sich aller Menschen wie De Margerie entledigt.

Weil wir Schneeschieber nie wieder mit den selben Augen sehen werden, kennt unsere Solidarität mit dir keine Grenzen.

Kollektiv Vladimir, Martine & Co