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Die Mauer ist gefallen!

Pressemitteilung – Die Mauern im Wald Lejuc fallen!

Heute am 14. August 2016 haben fast 500 Menschen verschiedenen Alters, AktivistInnen unterschiedlicher Herkunft, darunter Landwirte und EinwohnerInnen, den Wald von Lejuc bei Mandres-en-Barrois zurückerobert und in einer festlichen Atmosphäre entschlossen mit der Wiederinstandsetzung des Waldes begonnen. Mehrere hundert Meter der illegal errichteten Mauer wurden niedergerissen, andere Mauerstücke bemalt und kleine Bäumchen gepflanzt. Sogar einige der während der ersten Besetzung (vom 19. Juni bis 7. Juli 2016) eingesetzten Gemüsepflänzchen, die die Zerstörungsaktion der ANDRA überstanden haben, wurden neu eingepflanzt.

Neu dazu gekommene AktivistInnen und solche der ersten Stunde versammelten sich im Schatten der befreiten Bäume für ein gemeinsames Picknick und um die Welt über den Mauerruinen neu zu gestalten. Mit dem Fall dieser Mauer ist nicht nur ein Symbol der Gewalt und der willkürlichen Durchsetzung der ANDRA gefallen, sondern die bleierne Kappe der Schicksalsergebenheit und der Resignation hat jetzt auch Risse bekommen.

Dieser Volksaufstand ist eine gesunde und legitime Reaktion auf die Walze der ANDRA, die zu allem bereit ist, um CIGÉO durchzusetzen (Einsatz von stark bewaffnetem Sicherheitsdienst, Missachtung der Gesetze, Missachtung der Gerichtsentscheidungen). Mehrere hundert DemonstrantInnen konnten das Ausmaß der Schäden am Wald feststellen: Kahlschlag im Hochwald junger Bäume und im Mittelwald. Einiges lässt vermuten, dass die ANDRA auch nach Erlass des Baustopps durch das Gericht am 1. August 2016 noch die Rodungen fortgesetzt hat. Wir erwarten mit Ungeduld die nächsten juristischen Auseinandersetzungen.

Angesichts des Ausmaßes an Zerstörung und der Böswilligkeit der ANDRA erscheint es uns umso wesentlicher, den Wald in den kommenden Tagen und Wochen weiter zu verteidigen.

Im Beitrag auf Französisch gibt es ganz unten eine Bildergalerie.

Vorläufiger Baustopp für das Atomklo!

Gemeinsame Pressemitteilung von Réseau Sortir du nucléaire, MIRABEL, Lorraine Nature Environnement, Meuse Nature Environnement, ASODEDRA, CEDRA 52, Les Habitants vigilants de Gondrecourt, BureStop55, Bure Zone Libre und der Gegner*innen und Einwohner*innen gegen das Projekt CIGÉO in Bure und anderswo – 1. August 2016

Das Gericht von Bar-le-Duc verurteilt die ANDRA!

Die Bauarbeiten für CIGÉO sind gestoppt!

Historische Klatsche für die ANDRA nach zwei Monaten Widerstand vor Ort

Das Gericht von Bar-le-Duc hat acht Vereine und vier Einwohner*innen von Mandres-en-Barrois recht gegeben. Sie haben in einem Eilantrag vom 25. Juli 2016 einen Baustopp für die Nationalagentur zur Entsorgung von Atommüll (ANDRA) im Bois Lejuc gefordert. Die Bauarbeiten stehen im Zusammenhang mit CIGÉO, dem Endlagerprojekt für hoch gefährlichem Atommüll. Die Bauarbeiten sind illegal. Die ANDRA muss sie unterbrechen und das zerstörte Areal wieder Instand setzen.
Die Vorgeschichte: 7 Hektar Blätterwald wurden bereits gerodet – darunter beinahe 100 Jahre alte Eichen. Der Boden wurde von allen Pflanzen befreit und mit Kies bedeckt. Der Bau einer 2 Meter hohen und 3 Kilometer langen Mauer wurde begonnen. Diese Tatsachen wurden geschaffen, obwohl die ANDRA von den zuständigen Behörden keine Genehmigung erhalten hat und sich die Frage nach der Erforderlichkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung erst gar nicht stellte. Die ANDRA glänzte bei der öffentlichen gerichtlichen Anhörung vom 28. Juli nicht mit Herrlichkeit – im Gegenteil! Sie erklärte, die Bauarbeiten seien zwar im Zusammenhang mit CIGÉO, sie hätten jedoch eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes Lejuc zum Zweck! Hinzu kommt, dass die ANDRA, die mitten in der Sitzung hinein platzte, ein lächerliches Dokument aus ihrem Hut zog. Nämlich eine durch den Bürgermeister unterschriebene Verfügung der Gemeinde von Mandres-en-Barrois mit der der vor Wochen illegal bereits begonnene Bau der Mauer nachträglich genehmigt wurde!

Der Gerichtsbeschluss vom 1. August 14 Uhr ist eindeutig: Es ist die Anordnung eines vorläufigen Baustopps bis zur Erteilung einer Rodungsgenehmigung durch die zuständige Behörde. Bei Verstoß muss die ANDRA 10 000 Euro Strafe pro gerodetes Ar zahlen. Sollte die ANDRA innerhalb von 6 Monaten keine Genehmigung eingeholt haben, muss sie die Schäden beseitigen und den Wald in seinem ursprünglichen Zustand versetzen.

Das Gericht schreibt eine Wiederbepflanzung, die Entfernung des Geotextils, des Kies und der Mauer auf der gerodeten Fläche vor. Die Renaturierung muss sich nach den Auflagen der Forstverordnung der Office National des Forêts (staatliche Fortstbehörde) für 2007- 2018 richten.

Ob Illegale Bauarbeiten, oder der Einsatz von Söldnern zur „Verteidigung“ der Mauer: die Manöver und Täuschungen der ANDRA um CIGÉO durchzusetzen stehen nun im Lichte der Öffentlichkeit. Der Gerichtsbeschluss bekräftigt die Begründetheit und Legitimität des Widerstandes von mehreren Hundert Menschen und der Einwohner*innen die sich schon seit Wochen den Bauarbeiten der ANDRA widersetzen.

Die Vereine, Einwohner*innen und CIGÉO-Gegner*innen freuen sich über die historische Entscheidung und werden sich nicht damit begnügen. Andere Klagen und Aktionen sind in Vorbereitung um den Wald zurückzuerobern und CIGÉO zu stoppen. Ein Widerstandswochenende mit einer großen Demonstration steht am 13. – 15. August 2016 an.

Nach der Räumung ist vor der Wiederbesetzung

Brutaler Polizeieinsatz im Frühtau im aus Protest Gegen ein atomares Endlager besetzten Wald von Mandres-en-Barrois. Die Besetzer*innen kommen wieder!

Die Hinweise verdichteten sich in den letzten Tagen, die Aktivist*innen, die den Wald von Mandres-en-Barrois gegen das Atommüll-Endlagerprojekt Namens CIGÉO in Bure seit nun über zwei Wochen besetzten, hatten um Unterstützung gebeten. Gerüchte zu Folge waren zum Beispiel die wenigen Hotels in der äußerst dünn bevölkerten Gegend plötzlich ausgebucht – wohl für die Unterkunft der für die heutige Räumung eingesetzten Gardes Mobiles (militärische Polizei).

Gegen eine Räumung sprach die laufende Auseinandersetzung um die am 28. Juni durch einen Gerichtsvollzieher im Wald zugestellten Räumungsverfügung der Bauherrin ANDRA (Nationale Agentur zur Entsorgung von Radioaktivität). Aktivist*innen und Einwohner*innen legten Widerspruch dagegen ein. Die Verhandlung über den Widerspruch hätte am gestrigen Tag verhandelt werden sollen, die ANDRA beantragte jedoch die Einräumung einer Frist um zum Vortrag der Anwält*innen der Besetzer*innen Stellung nehmen zu können. Die Verhandlung wurde auf den kommenden vertagt. Klagen von Vereine und Einwohner*innen gegen den illegalen Beginn der Bauarbeiten ( Waldrodungen ohne Rücksicht auf Faune und Flora, Beginn von Bauarbeiten ohne Baugenehmigung und vor Erlass des Gesetzes zu CIGÉO, Widerspruch gegen die Übergabe des Waldes an die ANDRA durch den unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Gemeinderat ) , laufen ebenfalls vor dem Verwaltungsgericht. Eilig hat es die Justiz nicht, diese Klage zu behandeln.

Die ANDRA hat die Zeit gewonnen, die sie haben wollte, um Tatsachen zu schaffen. Eine riesige Polizeiarmada tauchte am frühen morgen im besetzten Wald von Mandres-en-Barrois.

Der polizeiliche Angriff erfolgte brutal ohne richtige Vorwarnung. Die Polizei setzte diverse Granaten und Flash-Ball – oder Flashball ähnliche – Gewehre gegen die Aktivist*innen ein (Infos zu den Waffen der französischen Polizei u.a. hier). Die gesamte Camp-Infrastruktur wurde beschlagnahmt. Es wurden am frühen Nachmittag eine verletzte Person und eine Ingewahrsamnahme gemeldet.

Die Aktivist*innen geben sich jedoch nicht geschlagen. Eine Besetzung fand zum ersten mal in 20 Jahren Widerstand gegen das geplante Endlager statt. Einzelaktivist*innen, Anwohner*innen und Vereine waren trotz unterschiedlicher Widerstands- und Politikultur mit im Boot – für viele Einwohner*innen der konservativ geprägten Region war der Schritt zur Besetzung und zum zivilen Ungehorsam eine Herausforderung. Der Widerstand ist dadurch gewachsen. Zahlreiche Vereine erklärten sich mit den Besetzer*innen solidarisch und protestieren nun gegen die Räumung öffentlich (Brief der Vereine auf Französisch)

Bure – Waldbesetzung gegen den atomaren Kahlschlag

Der Waldsparziergang gegen den atomaren Kahlschlag in Mandres-en-Barrois bei Bure (Lothringen, Meuse Département) an diesem 19. Juni 2016 endete mit der Neubesetzung des Waldes. Die ANDRA, Nationalagentur zur Entsorgung vom radioaktiven Atommüll, hatte – obwohl für das Endlagerprojekt noch keine Baugenehmigung vorliegt – am 6. Mai 2016 mit dem Kahlschlag für das atomare Endlagerprojekt Namens CIGÉO begonnen, Stacheldrahtzäune und eine Plattform zur Koordination der Waldarbeiten errichtet. CIGÉO steht für das „französische“ industrielle Tief-Endlager für hoch radioaktivem Müll. Es wird aber gemunkelt, dass hinter den Kulissen Atomindustrie und atom verfilzte Politiker*innen von einem internationalen Tieflager für hoch radioaktivem Atommüll träumen – günstig in Grenznähe gelegen -, um den Widerstand zu erschweren.
Einwohner*innen und Atomkraftgegner*innen verschafften sich mit diversen Spaziergängen einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörungen und riefen für den 19. Juni zu einer großen Waldwanderung mit Picknick aus. 250 Menschen trafen sich im Wald zusammen. Die errichteten Zäune wurden heruntergerissen, die Plattform der ANDRA zerstört und eine Widerstandshütte errichtet. Es folgte die Erklärung, der Wald sei nun besetzt. Die Besetzer*innen freuen sich über Unterstützung, sei es durch Besuche vor Ort, dezentrale Aktionen oder Solierklärungen. Sie kündigen unter dem Stichwort #ETE D’URGENCE und #OCCUPYLAMEUSE einen Sommer des Widerstandes in Bure an.

Die Polizei zeigte sich an diesem Widerstandssonntag zurückhaltend. Sie teilte mit, nicht eingreifen zu wollen, so lange keine Gewalt gegen Menschen angewendet werde – und empfahl zugleich den nervösen Securitys, die das Areal im Auftrag der ANDRA bewachen, das Weite zu suchen. Die Aktivist*innen nutzten die Gunst der Stunde für die Errichtung ihrer Widerstandshütte und einen „Barrikadenbau-Workshop“ im Wald. Kurz darauf waren kreisende Polizeihubschrauber im Himmel zu sehen. In einem auf der Homepage von vmc (informelle Gruppe, die das internationale antikapitalistisches antiautoritäres Antiatomcamp vom letzten Jahr auf die Beine stellte) veröffentlichten Aufruf wird zur Unterstützung des Widerstandes und der Besetzung aufgerufen. Ich habe den Aufruf übersetzt (siehe unter dem Kartenmaterial).

Bure und Mandres en Barrois liegen ca. 120 Km von der Deutschen Grenze entfernt

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Karte von Mandres-en-Barrois mit dem Besetzungsort in rot

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„Bure, Aufruf zur Blockade und Besetzungen gegen den Beginn der Bauarbeiten für das Atommüllklo CIGÉO in diesem Sommer!

Heute, Sonntag den 19. Juni, haben wir den Gemeindewald von Mandres-en-Barrois vorübergehend von der Herrschaft der ANDRA und ihrem Atomklo CIGÉO befreit. Wir, widerständige Einwohner*innen aus der Gegend und von Weiterweg, Vereine, Bündnisse, erklären vor der neu eingerichteten Widerstandshütte am Ort der Waldzerstörung, den Wald für besetzt.

Barricade (Photo vmc)
Es ist ein neuer Schritt im Widerstand: Dem Beginn der Bauarbeiten setzen wir unsere Lebenslust und unsere hartnäckige Hoffnung entgegen. Wir wollen keine Schachtzone mit Tausenden von Tonnen von in Vergessenheit gelagerten Abfälle im Schoß der Erde: Wir werden diesen Wald, der uns allen gehört, körperlich verteidigen. Was sich hinter diesem Dickicht aus Hainbuche und Buche abspielt, ist das Symbol des Kampfes gegen die Arroganz und die Gewalt der ANDRA. Unser Wille wird sich unter den Kronenschlüssen der großen Eichen nicht betonieren lassen.

Im Jahr 2013 hat die ANDRA Millionen um sich geworfen und zahlreiche Arbeitsstellen versprochen, um den Wald in Beschlag zu nehmen: Anlässlich einer Befragung hat die Mehrheit der Einwohner*innen nein gesagt. Die Einwohner*innen sammeln Holz für ihre Heizung, gehen spazieren, jagen, pflücken. All das gehört zum Leben. Die Einwohner*innen haben nein gesagt, weil der Wald 300 Jahre Erinnerungen, Bräuche und Geheimnisse, die nicht ausgetauscht oder ausgeglichen werden, bedeutet. Dem Geldsegen bevorzugen wir Waldwege, den falschen Arbeitsstellenversprechen eine alte Eiche.

Im Sommer 2015 hat die ANDRA noch eins drauf gelegt. Um 6 Uhr morgens hat der Gemeinderat den Tausch des Waldes mit 7 gegen 4 Stimmen beschlossen. Es war dieses mal keine Scheindemokratie und keine „Befragung“, stattdessen standen 2 Securitys, die den Eingang zum Rathaus versperrten.
Seit nun fast einem Jahr versuchen die Einwohner*Innen ihren Wald mit öffentliche Debatten, Einsprüchen, Klagen vor dem Verwaltungsgericht gegen den Waldtausch zurück zu erobern und das Atommüllklo zu verhindern. Der Widerstand vor Ort ist wiedergeboren. Der Beginn der Bauarbeiten konnte jedoch nicht verhindert werden. Wir lassen uns nicht täuschen: das Projekt, das für den Staat und die Atomindustrie von großer strategischer Bedeutung ist, wird sich nicht nur durch Klagen vor Gericht begraben lassen.

#OCCUPYLAMEUSE

Wir besetzen heute diesen Wald um zu verhindern, dass Tatsachen geschaffen werden.
Wir besetzen den Wald weil wir das Krachen der Bäumen nicht ertragen können, weil der Nato-Stacheldraht und die paramilitärischen Securitys mit ihren großen Hunden uns nicht aufhalten werden. Wir besetzen den Wald um ihn nicht der todbringenden Atomindustrie zu überlassen.
Wir besetzen diesen Wald und den Beginn von CIGÉO der Bauarbeiten zu blockieren. Wir wissen dass nicht das Parlament, sondern das Kräftemessen vor Ort, das Voranschreiten des Atomklos stoppen wird. Ob Links oder Rechts, die Politiker*innen haben gegen das Projekt nichts einzuwenden, sie reden sogar davon, es handle sich um ein Bärendienst für die zukünftigen Generationen. Jetzt besetzen, heißt Herr der Lage über ein Projekt werden, dass schon seit 20 Jahren bekämpft wird. Es ist der Versuch, Sand im Getriebe eines ansonsten nicht greifbaren Gegners zu sein.
Wir besetzen diesen Wald gemeinsam mit unserer Lebenslust gegen die atomare Gesellschaft und ihre Welt aus Militarismus, Securitys, lächelnden Experten, Dosimeter und Ausbeutenden. Dort wo sie den Wald roden, bauen wir Hütten. Dort wo sie eine Wüste aus Einsamkeit und Resignation verbreiten, zeigen wir unsere Lust an das Zusammenleben und den Widertand.

préau Mandres en Barrois, Photo vmc

Jetzt, den ganzen Sommer, auf nach Bure um CIGÉO zu blockieren!

Im Untergrund unserer Hütte befinden sich 30 Jahre Kampf gegen die Kolonisation des Areals durch die ANDRA. Die Hütten von heute und morgen sind Komplizen unserer rebellischen Kartoffeln, die das Land der ANDRA besetzen, die Verbündeten der großen Märsche und die Kumpels der Zeltlager gegen CIGÉO und seine Welt.
Diese Besetzung darf nicht der Höhepunkt von zwei Wochen Aktionen sein, sondern der Startpunk eines entschlossenen Sommers. Unsere Hütte ist eine Einladung zu einem nicht endenden Picknick, ein neuer Ort der Begegnung gegen die ANDRA. Unsere Hütte ist ein Appel aus massivem Holz nach Bure zu kommen um den Widerstand zu unterstützen und mit allen notwendigen Mitteln die Zerstörung des Waldes und den Beginn der Bauarbeiten für CIGÉO zu verhindern.
Wir denken an Picknicks, direkte Aktionen, Demonstrationen. Wir stellen uns Blockaden, Wanderungen und dezentrale Aktionen vor.

Von den entrechteten Menschen bei den Uranminen von Arlit, über zu den Widerstandsblockaden in Nortre-Dame-der-Landes bis zu den Abgründen des Val de Suse und das Atiatomcamp von e Pyhajöki in Finnland, bilden wir eine Kette des Widerstandes gegen die, die über unser Leben herrschen wollen.

Wir lassen und nicht atomisieren, ANDRA haut ab!“

UPDATE 20.6. früh: die Aktivist*innen haben ihre erste Nacht im Wald hinter sich. Der ÜPolizeihubschrauber kreis herum, vor Ort wird in aller Ruhe gefrühstückt. Für 11 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt. Infoticker auf Französisch: http://vmc.camp/fil-info/

Kontakt und Anlaufstelle für Unterstützer*innen:

Kontakt : sauvonslaforet[ät]riseup.net oder vmc[ät]riseup.net (fragt nach dem PGP Key, die haben eins) // 00 33 758654889

Anlaufstelle: Besetzung im Wald (Siehe Karte), Widerstandshaus in BURE (Bure Zone Libre) ; ehermaliger Bahnhof Luméville, das Gelände an der geplanten Castorstrecke wo das internationale Camp im vergangenen Jahr statt gefunden hat.

Weitere Informationen:

Dossier auf Deutsch über Bure

Sortir du nucléaire

VMC (Camp Orga vom letzten Sommer, es wird weiter über den Widerstand berichtet)

Auf nach Bure gegen den atomaren Kahlschlag!

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Aufruf zum Waldspaziergang gegen den atomaren Kahlschalg am 19. Juni 2016 in Mandres-en-Barrois bei Bure.

Vor einem Monat wurde über das Vorhaben der französischen Regierung, die Entsorgung von hoch radioaktivem Müll in tiefen geologischen Schichten in Bure (Lothringen, ca. 120 Km von der deutschen Grenze entfernt) unter dem Deckmantel der „industriellen Forschung“ durchzusetzen. Das Gesetz hat den Senat passiert, die Abstimmung der Assemblée Nationale steht noch an. Damit wäre die erste industrielle Phase von CIGEO mit dem Bau von 40 Kilometern unterirdischen Stollen, wie das Entsorgungsprogramm heiß, im Kasten.

Baugenehmigung oder nicht: die ANDRA (Agentur für die Atommüllentsorgung), die für die Durchführung des Projektes vor Ort verantwortlich ist, schert sich wenig um die gesetzlichen Voraussetzungen. Die Bauarbeiten sind bereits zu Gange. Im Wald von Mandres-en-Barrois wird gerodet, Stacheldrahtzäune lang gezogen.

Dies geschieht nicht ohne Widerstand von EinwohnerInnen und AtomkraftgegnerInnen vor Ort. Dieser nimmt seit dem internationalen antikapitalistischen Antiatomcamp vom vergangenen Sommer fahrt auf. Der ehemalige Bahnhof von Luméville an der künftigen CASTOR-Strecke, hat sich neben dem Haus des Widerstandes in Bure (Bure Zone Libre) zu einem wichtigen Stützpunkt des Widerstandes etabliert. Der Widerstand organisiert sich.

Als Antwort auf den Start der Bauarbeiten wurde zum bäuerlichen Widerstand aufgerufen (Collectif Terres de Bure) und Felder der ANDRA mit Bio-Saatgut bestellt. 500 m² Kartoffel und 1 Hektar Gerste und Hafer wurde gepflanzt. Am 5. Juni versammelten sich 1 000 Menschen zur Marsch der 200 000 Schritten. Vergangene Woche wurden die Rodungsarbeiten durch Waldspaziergänge gestört. Und es soll nun weiter gehen. Mit einem großen Widerstandstag im Wald von Mandres-en-Barrois am 19. Juni 2016. Die Widerständigen rufen darüber hinaus zu einem „#été d’urgence“ auf. Auf Deutsch „#Sommer des Ausnahmezustandes“, in Anspielung auf den im Zuge der Anschlägen von November in Paris ausgerufenen Ausnahmezustandes und die dazugehörige willkürliche Repression von politischem Protest im ganzen Land.

Die Menschen vor Ort freuen sich auf tatkräftige Unterstützung und (auch dezentrale) Soliaktionen. Vor Ort ist Platz für Viele(s)!

„À bure, nous n’irons plus aux champignons“…

… heißt der Aufruf zum Protest für den 19. Juni 2016. Auf Deutsch: „In Bure werden wir keine Pilze mehr sammeln gehen.“

Die Einwohner*innen von Mandres-en-Barrois wollen ihren Wald zurück! Dieser wurde vor einem Jahr mit der ANDRA „getauscht“, der Beschluss fiel im Zuge einer geheimen Gemeinderatssitzung um 5 Uhr morgens. 220 Hektar Gemeindegebiet wurden der ANDRA übertragen und somit für den Kahlschlag und für CIGEO freigegeben. Dafür erhielt die Gemeinde ein 370 Hektar großes Waldgebiet, dieser liegt allerdings weiter weg. Einwohner*innen haben sich für eine Klage gegen dieses Vorgehen zusammen geschlossen. Die ANDRA wartet jedoch weder die Baugenhemigung für CIGÉO noch das Ergebnis der Klage der Einwohner*innen ab. Der direkte praktische Widerstand vor Ort kann auch nicht warten.

„Wir müssen den Wald zusammen besetzen. Alle Mittel sind zur Verhinderung des Kahlschlags und Aufstellung von Stacheldrahtzäune notwendig. Der Kahlschlag bedeutet die Schaffung einer Wüste, Voraussetzung zur atomaren Verbreitung. Wir denken an Picknicks, Wanderungen, Demonstrationen. Wir stellen uns auch Sabotage, Besetzungen und dezentrale Aktionen vor.

Die Partie spielt sich heute ab, wir wissen dass diesen Sommer entscheidend sein wird. Unsere einzige Einschränkung ist die Anzahl an Menschen. Einige Menschen haben sich bereits nach Bure begeben. Und dies haben wir bereits von der aktuellen Protestbewegung gelernt: Wenn wir viele sind, tun wir was wir wollen.

Wir müssen heute schon zusammen kommen und den Wald zurück erobern.

Kommt zahltreich nach Mandres-en-Barrois am 19. Juni 2016!

Start gegen 11 Uhr mit einem langen Picknick in Mandres-en-Barrois, treffpunkt beim Lavoir (Waschplatz).“

Ein Text- und Bildbericht der „Wanderungen“ der vergangenen Woche ist auf der Homepage von vmc

Und wie es dort heißt:

La résistance sort du bois: l’ANDRA ne creusera pas son trou atomique dans la forêt de Mandres-en-Barrois !

ANDRA, dégage, résistance et sabotage

Auf Deutsch:

„Der Widerstand kommt aus dem Wald (aus der Deckung): Die ANDRA wird ihr atomares Loch im Wald von Mandres-en-Barrois nicht graben!

ANDRA, haut ab, Widerstand, Sabotage!“

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Neuer Versuch der Genehmigung eines Endlagers unter dem Deckmantel der Forschung in Bure

Französische AtomkraftgegnerInnen rufen zu Protestaktionen gegen das neue Gesetz zur Endlagerung radioaktiver Abfälle in Frankreich auf. Das Gesetz „Longuet“ wird am 17. Mai im Senat (= Bundesrat) vorgestellt. Im Gesetzestext ist lediglich die Rede von Forschung, einer neuen „phase pilote“. Wer sich mit den Einzelheiten des Gesetzestextes auseinandersetzt, stellt aber schnell fest: das industrielle Entsorgungszentrum für hoch radioaktivem Atommüll Namens CIGEO (industrielles geologisches Zentrum) in der Ortschaft Bure soll dadurch ohne großem Aufwand genehmigt werden.

Das Gesetz Bataille aus dem Jahr 2006 sieht eine parlamentarische Debatte mit Beteiligung der atomaren Aufsichtsbehörde und Bindung an der „Reversibilité“ (Rückholbarkeit des Atommülls) – zumindest in den ersten 100 Jahren. Zahlreiche für die Verwirklichung des Projekts wesentliche Fragen bleiben bis heute ungeklärt: Geeignetheit des geologischen Untergrunds für einen Zeitraum vom 10 Tausenden von Jahren, Explosions- und Brandrisiko, keine genaue Übersicht über die Atommüllmenge, die das Lager aufnehmen soll, Probleme im Zusammenhang mit dem Bau des Lagers und der gleichzeitigen Einlagerung, etc.

Es wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, das industrielle Entsorgungszentrum CIGEO ohne vorige parlamentarische Debatte zu genehmigen. CIGEO wurde vergangenem Sommer ins Wachstumsgesetz „Macron“ aufgenommen. Der Conseil d’Etat (Verfassungsgericht) beanstandete jedoch den Absatz, weil die Atommüllproblematik wohl wenig mit Wachstum zu tun hat! Das geplante Entsorgungszentrum ist nun Gegenstand eines neuen Gesetzes. Im Gesetz Longuet ist jedoch nicht ausdrücklich die Rede davon, dass dadurch das atomare Entsorgungszentrum genehmigt wird sondern, dass weiter „geforscht“ wird. Das Ausmaß des „Forschungsprojektes“ entspricht aber das der ersten industriellen Phase des CIGEO-Projektes: 40 Kilometer unterirdischen Galerien soll entstehen, das Ganze soll – Forschung ausgenommen – 5,7 Milliarden Euro kosten. Über die Rückholbarkeit soll nun erst Ende 2034 geredet werden. Zu diesem Zeitpunkt soll die endgültige Genehmigung für das Entsorgungszentrum jedoch bereits vorliegen und Tatsachen geschafft worden sein. Die Entsorgung des Atommülls soll nach Angeben der Regierung 24 Milliarden Euro kosten – andere Berechnungen gehen jedoch jetzt schon von 35 Milliarden aus. So viel zum billigen Atomstrom…

Durch das neue Gesetzt wird unter dem Vorwand der „Forschung“ Bure als Endlagerstandort zementiert. Obwohl das Gesetzt aus dem Jahr 1995 die Untersuchung von unterschiedlichen Gesteine vorschrieb. Daran wurde sich nicht gehalten, Bure wurde ausgewählt, weil der Widerstand am schwächsten war. Dies ändert sich langsam. Nach dem internationalen Camp von vergangenem Sommer hat sich der Widerstand am ehemaligen Bahnhof von Luméville etabliert. Eine dauerhafte Infrastruktur zum Empfang von Widerständigen ist im Zuge verschiedener Bauwochen(enden) entstanden. Das ist neben des Hauses des Widerstandes in Bure (Bure Zone Libre) ein wichtiger Treffpunkt zur Planung von Widerstand geworden. Und dieser wird auch sichtbar. Als Antwort auf den Start der Bauarbeiten – derzeit laufen archäologische Untersuchungen – wurde zum bäuerlichen Widerstand aufgerufen (Collectif Terres de Bure)und Felder der ANDRA (für CIGEO verantwortliche nationale Agentur zur Entsorgung radioaktiver Abfälle) mit Bio-Saatgut bestellt. 500 m² Kartoffel und 1 Hektar Gerste und Hafer wurde gepflanzt. Eine Holzhütte Namens „Vigi-patate“ wurde zur Bewachung der Felder durch Widerständigen aufgestellt. Es geht am 3. Juni weiter: Unkräuter werden gemeinsam ausgerupft. Am Abend kommt der antikapitalistische Chor aus Naix-Aux-forges (15 Km von Bure entfernt) für einen antikapitalitischen Abend mit Gesang, Konzerte und Debatten. Es geht anschließend am 5. Juni mit der Marsch der 200 000 Schritten weiter. Verschiedene Wanderungen stehen auf dem Programm, verbunden mit dem Aufruf, sich kreative Gedanken darüber zu machen, die der Verlauf der künftigen CASTOR-Bahn sichtbar gemacht werden kann. Diese ist für 2 Atomtransporte die Woche 130 Jahre lang vorgesehen. Im Anschluss gibt es Programm vor der Baustelle der ANDRA (so ganntes Labor).

Tödlicher Unfall auf der Baustelle in Bure

 

Die französische Regierung will ein Endlager für hoch radioaktivem Atommüll in Bure bauen. In der Loi Bataille von 1995 war noch die Rede von Erkundung. Den Einwohner*innen in der Gegend von Bure wurde zunächst gesagt, es handele sich nicht um ein Endlage für Atommüll, sondern um ein Forschungslabor. Es ginge um Forschungsarbeiten in Zusammenarbeit mit anderen Forschungsbehörden in anderen Länder und Gesteine (für das Salz wurde die ASSE als Vergleichslabor genannt). Das „Forschungslabor“ ist seit 2008 in Betrieb. Und die zuständigen Behörden und Unternehmen wollen schon den Beweis haben, dass die Gegend für die Tieflagerung von Atommüll geeignet ist. Das Gestein sei dicht und stabil. Wie stabil es ist, teilte mir 2008 ein Mitarbeiter bei einer Besichtigung des Lochs mit: „ Es ist nicht schwer Galerien zu bohren, es ist wie Butter“. .Am heutigen Tag eine weitere Bestätigung: Es ereignete sich einen schwerwiegenden Unfall in einer unterirdischen Galerie des Labors. Zwei Techniker waren dabei, geo-physikalischen Daten zu erheben, als ein Erdrutsch in der Galerie sich ereignete. Ein Arbeiter kam ums leben, ein anderer wurde verletzt. Manche Berichte zur Folge ist er schwerverletzt.

Das wirft keinen guten Schatten auf das zukünftige Atommülllager, dass sich trotz fehlender Genehmigung bereits in der industriellen Phase befindet. Das Projekt hat den Namen „CIGEO“ erhalten. 80 000 Kubikmeter Atommüll soll dort gelagert werden. Der Versuch, die Genehmigung für das Atommülllager im Wirtschaftswachstungsgesetz von Minister Macron zu verankern scheiterte im Sommer an dem Verfassungsgericht, das den Zusammenhang mit Wirtschaftswachstum nicht sah. Ein neues Gesetz wurde für 2016 angekündigt. Rund um Bure haben die Bauarbeiten für das eigentliche Endlager allerdings bereits begonnen, die archäologische Untersuchungen sind – insbesondere dort wo die CASTOR-Bahn gebaut werden soll bei Luméville, zugange. In Luméville selbst organisiert sich der Widerstand auf dem Grundstück, wo vergangenem Sommer das internationale Antiatomcamp stattfand.

Vergangene Woche erklärte die Regierung, sie rechne mit Kosten in Höhe von 25 Milliarden Euro für das Projekt. EDF und AREVA schätzen die Kosten auf 20 Milliarden, die ANDRA, die für die Verwirklichung von CIGEO zuständig ist, auf 34 Milliarden Euro. Diese Kosten sind nicht auf der Stromrechnung zu sehen, was der Lobby die Behauptung erlaubt, Atomstrom sei billig. Am Ende zahlt der Steuerzahler die Rechnung – ohne den Zusammenhang mit dem Atomstrom zu machen.

Bure: Atommüll-Endlager im Schnellverfahren genehmigt

Die französische Assemblée Nationale hat am 8. Juli 2015 im Schnellverfahren das Macron-Gesetz über „Wachstum, Wirtschaftsförderung und wirtschaftliche Chancengleichheit“. Dabei wurde Artikel 49-3 der französischen Verfassung angewendet, dass die Verabschiedung von Gesetzen ohne parlamentarische Debatte ermöglicht. Die Festlegung auf Bure (Lothringen) für ein atomares Endlager wurde in letzter Minute in dritten Lektüre in das Gesetz rein geschoben. Was ein atomares Endlager in einem Gesetz über „Wachstum, Wirtschaftsförderung und wirtschaftliche Chancengleichheit“ zu suchen hat, bleibt das Geheimnis der französischen Regierung und der Atomlobby. Das war nicht der erste Anlauf, das atomare Endlager in das Gesetz aufzunehmen. Das Vorhaben aber war bislang am Protest von AtomkraftgegnerInnen gescheitert, die systematisch im Gesetzentwurf wühlten und mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gingen. Im letzten Anlauf gelang es der Regierung Dank dem Antrag des konservativen Senators Gérard Longuedoch doch noch ihr Vorhaben durch zusetzen. Die Kurzfristigkeit und die Anwendung des Schnellverfahrens machten es möglich.

Das Gesetzt legt Bure (Lothringen, 130 Km von der deutschen grenze entfernt) als Standort für ein Atommüllendlager in ca. 500 Meter Tiefen fest und schreibt der ANDRA (National Agentur für die Entsorgung radioaktiver Abfälle) vor, die Reversibilität der Einlagerung (Rückholbarkeit des Atommülls) für einen Zeitraum von 100 Jahren zu gewährleisten. Die ANDRA nennt ihr Vorhaben „CIGEO“ (siehe früherer Artikel dazu). Damit wird das ursprünglich vorgesehene anspruchsvollere Genehmigungsverfahren für das Atommüllendlager in großen Teilen übergangen/ übersprungen.

Zahlreiche Antiatom-Initiativen zeigten sich beim bekannt werden der gesetzlichen Trickserei empört. Überraschend ist das Vorgehen jedoch nicht. Das ist die Kontinuität der durch die Atomlobby und PolitikerInnen seit Jahren betriebenen Politik: das Vorhaben soll mit allen Mitteln durchgesetzt werden, dabei soll verhindert werden, dass die Bevölkerung sich äußert und die Gegner sich Gehör verschaffen. Wir erinnern uns an die „öffentliche Debatte“ von 2013, die im Internet verlagert wurde, um dem Zorn der ProjektgegnerInnen zu entkommen. Wir erinnern und an die zahlreichen „Abstimmungen“ von Gemeinderäten im Frühtau, wir erinnern uns an die Gelder, die den Gemeinden versprochen und überwiesen wurden, um deren Zustimmung abzukaufen. Nun wird im Wege des Schnellverfahrens eine parlamentarische Debatte umgegangen.

Wenn alles nach Plan läuft, soll mit dem eigentlichen Bau des Atommülllagers 2017 begonnen werden. 2025 soll der erste Atommüll endgelagert werden.

Noch ist das Vorhaben zu verhindern! Beschwerden und Klagen gegen das Endlager sind vor Gericht noch anhängig. Und der Widerstand vor Ort organisiert sich. Mit dem Widerstandshaus von Bure Zone Libre ist der Widerstand vor Ort vertreten. Das Haus wurde 2004 gekauft und seitdem renoviert, es befindet sich im 80-Seelendorf Bure. Unweit von Bure wird vom 1. bis zum 10. August 2015 ein internationales Widerstandscamp stattfinden. Es gibt Bestrebungen, im Anschluss an das Camp eine „ZAD“ zu gründen. ZAD steht für „Zone À Défendre“; „zu verteidigende Zone“. Zahlreiche ZADs wurde in den letzten Jahren gegründet: Grundstücke werden als Akt des Widerstandes gegen unnütze Großprojekte besetzt.  Es sind freie selbstverwaltete Nicht-Kommerzielle Räume. Sie stehen für den direkten Widerstand vor Ort. Einige Menschen wohnen dauerhaft in der ZAD, andere sind für ein paar Tage oder Wochen auf Besuch.
Die Fläche für das Sommercamp gehört Menschen aus dem Widerstand und befindet sich direkt an der geplanten CASTOR-Bahnstrecke. Zukünftig sollen 100 Jahre lang zwei CASTOR-Transporte pro Woche stattfinden. Noch ist die Strecke nicht gebaut. Dem gilt zu Verhindern genauso wie der Bau eines „Endlagers“.

Kommt zum internationalen Antiatomcamp nach Bure! Unser Widersstand macht keinen Halt an der Grenze!

Ein Atomland entsteht

Eichhörnchen-Artikel über die Atomkraft in Frankreich/Lothringen: Atomtransporte, Atommüllendlager, etc.
Zuerst  erschienen in der Zeitschriftt GWR 391, September 2014
  (Nachdruck geht mit Autoren- und Quellenangabe klar:-)

Im Grenzgebiet zwischen Belgien, Luxemburg und Deutschland sorgt das französische Atomkraftwerk Cattenom mit zahlreichen Störfällen immer wieder für Diskussion. Über die anderen Atomanlagen der Region ist in der breiten Öffentlichkeit dagegen wenig bekannt. Lothringen spielt eine zunehmend wichtige Rolle für die Atomlobby. Es ist die einzige französische Region, die an drei andere Staaten grenzt (Belgien, Luxemburg und Deutschland), Départements wie die Meuse haben eine niedrige Bevölkerungsdichte, ein Teil der Region leidet immer noch unter der Schließung der ehemaligen Kohlebergwerke, die Arbeitslosenquote ist hoch. Es sind für die Atomlobby günstige Voraussetzungen, um Akzeptanz für neue Anlagen zu schaffen und es dem Widerstand schwer zu machen. Ein Endlager wird u.a. mit Hilfe von Infrastrukturfördergeldern an die Kommunen von der Politik und der Atomlobby durchgesetzt. Die Region entwickelt sich außerdem zunehmend zu einer Drehscheibe für internationale Atomtransporte.

Der (internationale) Widerstand dagegen organisiert sich und wird sichtbarer.

Bure im Meuse-Département: von der Erkundung zu „CIGEO“

Von einem Endlager für hoch radioaktivem Müll in Bure (département Meuse) war 1994 zu Beginn der „Erkundungsarbeiten“ nicht die Rede. Von offizieller Seite hieß es, es sei ein wissenschaftliches Erkundungs- und Forschungsprojekt und bedeute keine Festlegung auf Bure als Standort für das zukünftige Endlager für hoch radioaktiven Müll. Das Gesetz schrieb die Durchführung von Erkundungen in unterschiedlichem Gestein vor. Daran wurde sich aber nicht gehalten. Nicht aus wissenschaftlichen, sondern aus pragmatischen geopolitischen Gründen: In Bure traf man auf eine strukturschwache Region mit geringer Bevölkerungsdichte und ohne großem Widerstandspotential. Die lokalen Politiker ließen sich mit großen Summen für das Projekt gewinnen. In anderen Regionen Frankreichs war der Widerstand in der Bevölkerung sofort da. Das Vorhaben der Regierung scheiterte, die nationale Agentur zur Atommüllentsorgung (ANDRA) entschied sich für eine Beteiligung an Forschungsprojekten im Ausland, u.a in Deutschland (Asse) und in den USA (WIPP).

Bild: Landschaft in Bure. Quelle aaa-West 2005

Der Skandal um das deutsche „Forschungsbergwerk“ Asse kratzte das Image der ANDRA an, auch wenn es sich in Frankreich in Grenzen hielt, weil lediglich ein Bruchteil der französischen Öffentlichkeit über die Asse Bescheid weiß. Die Verantwortung für das Desaster wurde auf den deutschen Partner geschoben, er habe Fehler gemacht, die man hierzulande niemals gemacht hätte.

Das offizielle Ergebnis der Erkundung in Bure ist, dass der Standort geeignet ist, der Untergrund ist dicht. Abweichende Meinungen einiger WissenschaftlerInnen werden schlicht ignoriert. Die Untersuchung der Geologen Murrot und Muller, die geologischen Verwerfungen im Gebiet gefunden haben, fehlen auf der offiziellen Karte der ANDRA vollständig. Für die ANDRA irrelevant ist auch, dass das Gebiet einen grundwasserreichen Untergrund hat, was die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung erhöht – es geht um die hydrogeologischen Zusammenhänge z.B. bis ins Pariser Becken.

Ich durfte vor einigen Jahren das „Labor“ besichtigen. Der Geologe, der die Besichtigung leitete, gab zu, man könne keine Sicherheit für Tausende von Jahren gewährleisten. Tonstein sei aber stabil und so zu sagen das kleinere Übel. Doch, wer den Fahrer einer Tunnelbohrmaschine fragte, bekam ein anderes Bild: die Arbeit sei nicht anstrengend, man müsse sogar Pausen einlegen, damit das alles nach und nach stabilisiert werde. „Das ist wie Butter“, war die Aussage. So viel zur Stabilität des Gesteins. Ein ASSE II ist vorprogrammiert.

Protest in Bure 2005 – Quelle aaa-West

Von Forschung ist in Bure heute kaum noch die Rede. Die Regierung hat sich auf den Standort für ein Atommülllager festgelegt, das Projekt heiß inzwischen CIGEO. Es steht für Centre Industriel de stockage GÉOlogique ( Industriezentrum für geologische Lagerung).

Das Endlager hat noch keine Genehmigung, die Vorarbeiten laufen aber schon auf Hochtouren: Straßen werden erweitert, Gebäude entstehen im Niemandsland. Eine Bahnanlage für die Beförderung von ca. 100.000 CASTOR-Behältern ist in Planung. Nach Angaben der ANDRA wird das Lager zunächst für 6000 Kubikmeter Müll konzipiert. Dies ist die Menge, die seit Inbetriebnahme der heutigen französischen Atomkraftwerke bereits entstanden ist und bis 2030 noch anfallen wird.

Dass das vorhaben der Regierung in der Französischen Öffentlichkeit umstritten ist, zeigte die „Débat public“ (Öffentliche Debatte). Die Debatte ist nach dem Französischen Gesetz bei Großprojekten im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zwingend durchzuführen. Mitglieder der Kommission des „Débat public“ laden zu öffentlichen Versammlungen in ganz Frankreich ein, wo sie das Vorhaben vorstellen und Fragen aus dem Publikum beantworten. Zahlreiche Menschen waren sich bewusst, dass die Debatte keinerlei Einfluss auf das Genehmigungsverfahren haben würde und mehr der Legitimierung des Projektes in einer Scheindemokratie dienen würde. Sie entschlossen sich für lautstarken Protest. Hunderte von AktivistInnen sprengten die Veranstaltungen, die alle abgesagt werden mussten. Die Regierung verlagerte schließlich die „Debatte“ ins Internet.1

Débat public impossible
Protest beim „débat public“2013

Ein Unfall in den USA kommt für CIGEO ungelegen. In dem sich seit 15 Jahren im Betrieb befindlichen Endlager für radioaktivem Atommüll militärischer Herkunft in einem Salzstock (WIPP für Waste Isolation Pilot Plant) im US-Bundesstaat New Mexico ereigneten sich Anfang 2014 zwei Unfälle2. Mindestens 21 Arbeiter wurden mit Americium 241 kontaminiert, eine halbe Meile von dem Atommülllager entfernt wurde in der Luft neben Americium auch Plutonium festgestellt. Erhöhte Strahlenwerte wurden Anfang März gemessen. Es ist unklar, wie lange die Anlage geschlossen bleibt. Es sickern nur wenige Informationen zu diesem Unfall durch. Als Ursache wird ein LKW-Brand, der sich am 5. Februar 2014 im Salzstock ereignete, vermutet. Die erhöhte Radioaktivität erklärt die US-Energiebehörde (DOE) mit der Tatsache, dass womöglich ein Fass oder mehrere Fässer, die in einer der Kammern im Salzstock eingelagert wurden, bei einem Einsturz der Decke aufgeplatzt sind. Gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, weil die erhöhte Radioaktivität einen freien Zugang zum Unglücksort durch ArbeiterInnnen verhindert.

Die ANDRA warb bis vor wenigen Monaten für CIGEO mit einem Vergleich zu der Anlage in New Mexico. Die Anlage galt als Fallbeispiel für Bure, weil für CIGEO die gleiche Einlagerungstechnik zur Anwendung kommen soll. Seit dem Unfall schweigt die ANDRA zu diesem Thema.

Die Ereignisse bekräftigen die WiderständlerInnen in der Region. Mit dem Haus vom Verein „Bure Zone Libre“ (BZL) haben die AtomkraftgegnerInnen einen festen Ort, um den Widerstand im 80-Seelendorf Bure zu organisieren. Das Haus wurde 2004 gekauft und wird seitdem durch Ehrenamtlichen aus ganz Frankreich und Europa renoviert. Mitglied im Verein BZL sind auch Menschen und Gruppen aus Deutschland. Gruppen können empfangen werden, diverse Widerstandsvernetzungstreffen finden im Haus statt.3 Als Ergebnis mehrerer Treffen von AKW-GegnerInnen aus Ostfrankreich (AG antinuc Grand t’Est) wurde eine dezentrale Aktionskampagne von einem Jahr mit dem Namen „Bure 365“ Anfang Juni 2014 gestartet4. Hauptziel ist es, den Widerstand gegen die Endlagerung von radioaktiven Atommüll (Projekt CIGEO) und gegen die Atomkraft und all das was dazu gehört, bekannt zu machen und auf nationaler und internationaler Ebene auszudehnen. Im inzwischen ins Deutsche übersetzter Aufruf heißt es:

Bure 365 Plakat

[…] Wir wollen keine alternativen Vorschläge zur Atommüllentsorgung einbringen, solange die Produktion des Atommülls nicht definitiv gestoppt wird. Ein solcher Vorschlag würde bedeuten, dass wir für die Atomindustrie ehrenamtlich arbeiten und das geht gar nicht klar! […]

Die einzige vertretbare Perspektive ist die Abschaltung der Atomkraftwerke und der damit verbundene Stopp der weiteren Atommüllproduktion. Das Projekt CIGEO heißt auch, gegen einen Staat anzukämpfen, der um den radioaktiven Atommüll, der sich von Tag zu Tag anhäuft, zu legalisieren, einen gesetzlichen Rahmen schafft. […]

Unser Ziel ist, dass überall Gruppen sich den Aufruf zueigen machen und so viele Aktionen wie möglich über einen Zeitraum von einem Jahr auf die Beine stellen. Die Idee ist, dezentralisiert nach unserem eigenen Kalender an unerwarteter Stelle zu handeln und die eigenen Spielregeln gelten zu machen.

Die Kampagne ist für alle Aktionsformen offen und solidarisiert sich.[…]

Unser Kampf und Widerstand ist nicht umkehrbar (reversible)! CIGEO wird „endbegraben“!

mediation connerie humaine
2014 im Rahmen von Bure 365
„Nicht stören, wir meditieren über die menschliche Dummheit, dies kann viel Zeit in Anspruch nehmen!“

Drehscheibe für Atomtransporte

In der Grenzregion Lothringen wird nicht nur – sollte es tatsächlich in Betrieb gehen – das zukünftige Endlager in Bure für zahlreichen Atomtransporte sorgen. Die Gegend wird jetzt schon von zahlreichen internationalen Atomtransporten durchquert. In letzter Zeit wurde die Infrastruktur für diese Atomtransporte, insbesondere aus den Niederlanden und Deutschland, massiv ausgebaut. AtomkraftgegnerInnen sind diesen Transporten auf der Spur.

Ein Urantransport aus Kasachstan, der im Hamburger Hafen umgeschlagen wurde und über Deutschland nach Malvési in Süd-Frankreich bei Narbonne fuhr, sorgte für Schlagzeilen. AtomkraftgegnerInnen beobachteten die Zusammenstellung und Abfahrt des Zuges im Hamburger Hafen am Süd-West Terminal C. Steinweg. Sie stellten fest, dass 4 von 19 mit Uranerzkonzentrat beladene Container nicht auf die Reise zur Urankonversionsanlage Comuhrex in Malvési gehen durften. Die verladenen Container selbst waren stark verbeult und machten keinen guten Eindruck. Sie machten ihre Beobachtungen öffentlich, JournalistInnen übernahmen die Informationen und recherchierten nach5. Dem NDR zufolge muss die Hafenpolizei immer wieder Beförderungsverbote für die atomare Fracht aussprechen. Die Zulassung der Behälter ist oft abgelaufen, sie sind stark verbeult oder gar löchrig!6

Die radioaktive Fracht wurde in der Vergangenheit auf ihren Weg über Machen, Buchholz, Osnabrück, Münster, Hamm, Köln, Gremberg, Trier, Ehrang, Woippy, Montpellier und Narbonne beobachtet. Solche Transporte finden mindestens alle paar Wochen statt. Woippy liegt in Lothringen und ist der größte Rangierbahnhof Frankreichs. AktivistInnen konnten im Mai beobachten und filmen, wie die Waggons über den Ablaufberg rangiert wurden7. Ein Eisenbahngewerkschafter erklärte mir später, diese Rangiertechnik sei in Frankreich mit radioaktiven Stoffen untersagt. Aber die Atomlobby macht einfach weiter – bis zur nächsten Entgleisung, bis zum Unfall. In letzter Zeit häufen sich wegen der schlechten Wartung von Rangiergleisen die Güterzugentgleisungen8. Über Woippy fahren außerdem zahlreiche Uranzüge zwischen der deutschen UAA in Gronau und der französischen UAA in Pierrelatte. Mit der Eröffnung eines Zwischenlagers für Uranmüll mit unbefristeter Betriebsgenehmigung in Gronau wird der Anzahl der Transporte in den kommenden Monaten drastisch zunehmen9. Französische und deutsche AtomkraftgegnerInnen bleiben am Ball und wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. In Hamburg wird eine Kampagne gegen Atomtransporte über den Hafen gestartet.

In der Gegend um Bure interessieren sich die AtomkraftgegnerInnen nicht nur für die Endlagerbaustelle. Der Atomkonzern AREVA ließ sich 2009 mit einer logistischen Transportplattform LMC (Le Maréchal Célestin) in Void-Vacon nieder. Die Plattform wurde ursprünglich für den Transport von mechanischen Bauteilen konzipiert, die für Atomanlagen bestimmt waren. AtomkraftgegnerInnen stellten Anfang 2014 jedoch fest, dass AREVA nicht dabei geblieben ist. Über die logistische Transportplattform werden auch Transporte von radioaktivem Material abgewickelt. Bei internationalen LKW-Transporten findet der Fahrerwechsel in Void-Vacon statt.

Die AktivistInnen machen Druck, um Licht über die Atomgeschäften von AREVA in Void-Vacon zu machen. Sie verteilten 2000 Flugblätter an die AnwohnerInnen, hielten eine einwöchige Mahnwache ab, stellten der ASN, der Atomaren Sicherheitsbehörde, Fragen. In einer Antwort der ASN an das Netzwerk Sortir du nucléaire sind Informationen zu finden, wonach es u.a. UF6 Transporte zwischen der französischen UAA Pierrelatte und der deutschen Brennelementefabrik Lingen gibt, sowie Transporte von angereichertem Uranoxyd UO2 zwischen Lingen und Pierrlatte. Die deutsche Firma URENCO spielt auch mit, es gibt UF6 Transporte zwischen der URENCO UAA in Almelo (Niederlanden) und Pierrelatte10.

AREVA begründet zynisch die Zunahme dieser Transporte über Void-Vacon damit, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben müssen, nachdem der Transport von Bauteilen wegen der Beendigung der Bauarbeiten in Pierrelatte nachgelassen hat. In Pierrelatte wurde mit URENCO-Patenten eine neue effizientere Urananreicherungsanlage mit Zentrifugverfahren fertig gestellt.

Die AtomkraftgegnerInnen wollen nun handeln und freuen sich über eine Zusammenarbeit mit deutschen AktivistInnen. Schließlich sind deutsche Standorte wie Lingen oder Firmen wie die URENCO am Geschäft beteiligt!

Cécile Lecomte


1Bericht: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Wohin-mit-Atommuell-Auseinandersetzung-Frankreich

2Quelle: www.heise.de/tp/news/Unfall-in-US-Atomlager-verstaerkt-Zweifel-an-Lagerung-von-Atommuell-in-Salz-2164399.html und http://www.klartext.la/2014/06/strahlenfreisetzung-aus-der-pilotanlage-zur-endlagerung-von-atommuell-in-carlsbad-new-mexico-usa/

3Siehe: http://burezoneblog.over-blog.com/

4Siehe: http://nocigeo.noblogs.org/post/category/traductions/

5Beobachtungsbericht:http://blog.eichhoernchen.fr/post/Urantransport-aus-Kasachstan-ueber-HH-auf-dem-Weg-Frankreich

6Quelle: www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Atomtransporte-Frachter-Sheksna-im-Visier,atomtransporte106.html

7Bericht mit Videolink: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Urantransport-auf-seinen-Weg-von-Hamburg-nach-Frankreich-beobachtet

8Bericht: http://blog.eichhoernchen.fr/post/CASTOR-Zug-entgleist-in-der-Naehe-von-Paris

9 www.contratom.de/2014/07/17/tag-x-in-gronau-%E2%80%93-keine-inbetriebnahme-des-ersten-dauer-uranmulllagers/

Bure: 1500 Menschen bei den „100 000 Schritten“ gegen das Atommülllager

Hier zu lesen : http://blog.eichhoernchen.fr/post/Bure-1500-Menschen-bei-100-000-Schritten-gegen-Atommulllager

Am 7. Juni versammelten sich ca. 1500 Menschen in Bure (Lothringen, 120 Km der deutschen grenze entfernt) um gegen das Vorhaben der französischen Regierung hochradioaktivem Müll in tiefen geologischen Tonschichten zu lagern. Das Endlagerprojekt trägt den Namen „CIGEO“(Industriezentrum für geologische Lagerung).

Die100 000 Schritte stehen für bis zu 100 000 m³ hoch radioaktivem Atommüll aus Frankreich und anderen Ländern, die das Lager aufnehmen können soll. Das bedeutet 250 Kilometer Stollen in ca. 500 Meter Tiefe. CIGEO nimmt eine Fläche von 32 Km2 in Anspruch. Bauer wurden bereits enteignet, der Wald (ca. 2000 Hektar) wird gerodet. Ein CASTOR-Bahnhof und eine Konditionierunganlage sollen gebaut werden, um 100 Jahre lang 2 CASTOR-Transporte pro Woche in Empfang zu nehmen.

Die 1500 DemonstrantInnen zeigten ihre Ablehnung dieses Vorhabens mit buntem Protest: Auf dem Programm stand eine Wanderung, ein spannendes Kulturprogramm eine Umrundung des „Forschungsbergwerks“ der ANDRA (Nationale Agentur zur Entsorgung von Atommüll). Das „Forschungsbergwerk“ ist der Vorläufer von CIGEO.

Der Widerstand geht weiter! Nach den 100 000 Schritten, gibt es im Widerstandshaus von BZL (Bure zone libre) Bauwochen für Freiwilligen. Sowohl das Widerstandshaus als auch das Grundstück müssen für das anstehende antikapitalistisches Sommercamp gegen Atomkraft und weitere unnütze Großprojekte fit gemacht werden! Kommt zum Sommercamp nach Bure!

Erwähnt soll an dieser Stelle ein anderer Aspekt des Widerstandes. Am 9. Juni standen 3 HacktivistInnen in Nancy vor Gericht, weil sie die Internetpräsenz von dem Verteidigungsministerium, der ANDRA und einiger Institutionen in Lothringen angegriffen haben sollen (ohne einen Schaden einzurichten, sondern mit dem Platzieren von politischen Botschaften). Einem Bekennerschreiben zur Folge richtete sich der Angriff gegen CIGEO. Der Mord an den Umweltaktivisten Rémi Fraisse, der Ende Oktober 2014 bei Protesteng gegen ein Staudamprojekt  von der französischen Militärpolizei durch eine Angriffsgranate tödlich getroffen wurde, fand darin ebenfalls Erwähnung. Der Prozess wurde auf den 9. November 2015 vertagt, die AnwältInnen hatten erst wenige Tage vor dem Prozess die über 1 2000 Seiten umfangreiche Akte erhalten und benötigen Zeit, sich einzuarbeiten. Den AktivistInnen droht eine Haftstrafe und oder eine hohe Geldstrafe. Der Höchststrafrahmen für das zur Angeklagte gebrachte Delikt beträgt 10 Jahre Gefängnis und 150 000 Euro Geldstrafe. Im Französischen Gesetz wird nicht unterschieden, ob der Angriff von einem frenmen Staat kommt oder von Einzelmenschen, die ihre Handlung als politischer Akt (Cyberdemonstration) definieren. Die Angeklagten haben Solidarität verdient!


Infos:
http://100000pasabure.over-blog.com/
http://www.reporterre.net/Une-cyberaction-pour-protester-contre-le-meurtre-de-Remi-Fraisse-pourrait-mener
https://campvmc.noblogs.org/post/category/deutsch/
http://vmc.camp/
http://blog.eichhoernchen.fr/tag/Bure